Posts mit dem Label Geschrieben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geschrieben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

30.04.2015

Schreibwerkstatt (Eure Entscheidung)



Ihre Schritte hallten an den hohen Häusern wieder. Die Straße lag verlassen da. Die Nacht war kalt, ein eisiger Wind fegte durch die Stadt. Gerade wickelte sie ihren Mantel enger um ihren schlanken fröstelnden Leib da legte sich eine Hand um ihren Mund, hinderten sie an einem überraschten Schrei. Grob wurde sie in eine Gasse gezogen. Sie sah wie sie das Licht der Straßenlaternen verließen und mehr und mehr in Dunkelheit versanken. Sie klammerte ihre Hände um den Arm des Angreifers der über ihrer Brust lag, versuchte in seine Hand zu beißen, doch sie schmeckte nicht mehr als ihr eigenes Blut weil sie sich in die Lippe gebissen hatte. All ihre zappelnden Bewegungen in der Hoffnung sich losreißen zu können, waren umsonst. Er war zu stark. Stärker als sie. Die schwere rostige Stahltür wurde aufgerissen und sie hineingeschleppt. Gänzliche Dunkelheit umfing sie. Völlig orientierungslos hielt sie inne, hörte ihren eigenen und den schweren Atem ihres Entführers. Kaum wich die Hand vor ihrem Mund konnte sie gerade nach Luft schnappen als sich ein hartnäckiger Klebestreifen über ihre Lippen legte. Ihr Herz klopfte hart gegen ihre Brust, sie schwitzte vor Aufregung. Ihre Arme wurden nach vorne gezogen, ein Seil wurde um ihre Handgelenke geschlungen und ordentlich verstrickt. Kaum noch eine Bewegung möglich. Ein Ruck daran signalisierte ihr dass es voran ging obwohl nichts zu sehen war. Wie er sich in dieser Dunkelheit zurechtfand war ihr ein Rätsel. Doch vor ihnen wurde ein Streichholz entzündet. Sie konnte vor Aufregung den Schwefel wahrnehmen und auch das knistern als die rote Stumpenkerze entzündet wurde. Jetzt konnte sie seine Umrisse erkennen und fühlte sich schon etwas besser. Aber es schlich sich eine neue Aufregung an sie heran und überkam sie eiskalt von hinten, in Form zwei anderer Hände sie jetzt ihre Schultern drückten und sie vornüber dem Tisch gedrückt wurde auf dem die Kerze stand. Jemand lies eine Schere hörbar vor ihrem linken Ohr zuschnappen. Sie nahm einen tiefen Zug Luft durch die Nase. Nicht die Haare, dachte sie kurz panisch, doch die wurden in Ruhe gelassen. Das kalte Metall schob sich durch ihren Ärmel. Sie wollte ihre Hände mit einem ruck wegziehen, da hörte sie schon das Sirren der Gerte die sie auf ihrer nackten Wade traf. Sie wimmerte unter dem Schmerz, spürte eine Träne im Augenwinkel aufsteigen und hielt dann ihre Arme ruhig. Die Schere schnitt ihren Mantel durch und wurde den ganzen Arm hinausgeführt, schnappte auf und zu und ruinierte schneller als ihr lieb war eines ihrer Lieblingsstücke. Während sie versuchte sich nicht zu bewegen schob der andere ihre Beine auseinander. Eine Fessel nach der Anderen wurde an das jeweilige Tischbein festgebunden. Der Ärmel des Mantels fiel und der zweite war dran. Als der erste Stoff zu Boden fiel schnitt man ihn die Handgelenke frei, fesselte sie aber direkt wieder, nicht aneinander wie zuvor sondern wie ihre Füße separat an einem langen Seil mit den Tischbeinen. Vorn über gebeugt und unfähig sich groß zu bewegen legte sie ihren Kopf bequemer auf die Tischplatte. Eine zweite Schere blitzte vor ihren Augen und sie sah sein gemeines grinsen, als er sie zuschnappen lies. Er trat hinter sie und sie zuckte zusammen als sie das kalte Metall an ihrem Rücken spürte wo der kümmerliche Rest des Mantels sein Leben lassen musste.


Wollt ihr mehr davon lesen? :)

29.01.2015

Kuss der Muse: Der Mörder und seine Heilerin (PWI Fanfic, Unfertig)

Das Geräusch ließ sie dermaßen verschreckt zusammenzucken dass sie den deutlichsten Fehler aller tödlichen Fehler begang. Sie tat nichts und ließ sich ganz von der Panik behindern. Ihre schmalen Augen suchen die Umgebung ab, doch selbst ihr verschärfter Blick half ihr in diesem finsteren Waldstück in dem strömenden Regen nicht weiter. Sie sollte wirklich vorsichtiger sein, schalt sie sich selbst, ganz besonders wenn sie zu Fuß unterwegs war. Durchnässt und halbe erfroren schritt sie weiter voran, wurde das Gefühl aber nicht los, dass jemand hinter ihr her war, sodass ihr Blick immer wieder verstohlen über ihre Schulter glitt. Doch nun hielt sie den magischen Pfeil und Bogen schon griffbereit. Es war keine Waffe die man sehen konnte bevor sie sie nicht einsetzen würde. Sie fühlte sich vorbereitet aber unsicher wie zuvor. Wenn sie ihre Flügel ausbreiten würde, um über die Baumkronen zu fliegen, war sie ein leichtes Ziel für alle Schützen und fliegenden Wraith. Die leuchtend weißen schwingen würden dazu einladen sie abzuschießen. So ein leichtes Ziel. Aber hier auf dem Boden fühlte sich einfach nicht wohl. Das Volk der Windelfen fühlte sich frei wie die Vögel, definitiv wohler. Es lag nicht nur an der Situation, es war das ganze. Natürlich konnte sie sich verteidigen. Aber nicht in dem gewünschten Ausmaß. Sie war Klerikerin. Eine Heilerin. Keine Kriegerin. Sie besaß eher Instinkte für das Leid anderer als für den Kampf.

Einen Unterschlupf wollte sie finden um dem grässlichen Wetter zu entkommen und glaubt eine Hütte gesehen zu haben als sie hoch über den Wolken geflogen war, bevor der Regen eingesetzt hatte. In der Ferne zogen sich gleißende Blitze über das Firmament. Gerade als sie wieder alle Vorsicht in den Wind schoss, knackt es im Unterholz erneut. Erschrocken drehte sich um, hob ihre Hände in Position und sah zu wie der Bogen aus purer Energie in ihren Händen Gestalt annahm. Den ebenso bläulich leuchtenden Pfeil zog sie mühelos durch und die Sehne spannte sich. Vor ihr stand ein Mann, leicht geneigt. Sie erkannte ihn sofort als einen Abkömmling der Meereskinder aus dem Süden. Kein Volk das für den Sanftmut bekannt war. Sie hielt den Bogen weiterhin gespannt auf das Ziel vor ihr. Er war, soweit sie es sehen konnte, ausreichend bewaffnet um sie mit Leichtigkeit umzubringen. Doch er tat nichts, außer sie anzusehen. Er besaß nicht einmal die Courage selbst sein Messer zu zücken. Ihre Hand zitterte auffallend was er zum Anlass nahm sich aufzurichten. Sie verfolgte seine Bewegung weiterhin schussbereit, doch nun stahl sich ein abfälliges Lächeln über seine Lippen. Sein Gebärden war sehr eindeutig. Verspottete sie ohne ein Wort. Sein Blick Sprach bände. Du schießt ja doch nicht. Du bist tot bevor der Pfeil den Bogen verlässt. Und erweckte damit ihren gerechten Zorn. Sie hatte über die Meereskinder gelesen während ihrer Studien bei ihrer Priesterin, ihrer geschätzten Lehrerin. Lautlose, schnelle Killer. Lautlos war er nun nicht gerade gewesen, höhnte sie innerlich ihrer Gedanken Lügen strafen, doch das verunsicherte sie nur noch mehr. Der Regen peitschte ihnen ins Gesicht. Sie presste ihre Lippen aufeinander. Wenn er glaubt sie würde nicht schießen, irrt er sich gewaltig! Doch sein Lächeln verebbte und dann sackte er zusammen auf seine Knie und wurde ohnmächtig. Einfach so. Sie ließ die Hände sinken und der Pfeil und Bogen verschwanden. Kurz zögerte sie noch, witterte einen Trick. Wieder wollte sie kurz auf ihren Fluchtinstinkt vertrauen, doch sie rührte sich nicht von der Stelle. Er bewegte sich nicht mehr. Ob er tot war? Das kann ihr so abwegig vor. Bis eben. Sie kniete sich vor ihn hin und berührte ihn an der Schulter, er war warm. Ihre Hand legte sich an seine Stirn. Fieber. Er glühte regelrecht. Mit einem seufzen legte sie ihr leichtes Gepäck ab. Vor einigen Stunden hatte sie einen Nildrachen erlegen können, sein Fleisch war zäh aber es sind genügsame Tiere. Leichte Beute. Sie wollte den Assasinen herum drehen um nachzusehen ob er eventuellen Wunden erlegen war, da schlossen sich seine Finger hart um ihr Handgelenk, wie ein Schraubstock. Mit Schreckens laut wollte sie weg von ihm, doch er hatte sie fest im Griff. Sein Blick durchbohrte sie, dass sie erstarrte. Da grinste er.
„Reingefallen.“
„Lass mich los.“
„Lass mich kurz überlegen… nein“, stattdessen griff er in seine Tasche und zog ein dünnes Seil hervor. Sie ahnte was auf sie zukommen würde also versuchte sie sich von ihm zu lösen, doch er war ihr körperlich überlegen und ehe sie sich versah lag ihr Rücken flach auf dem Boden, während er sich über sie schwang und begang mühelos ihre Hände zu fesseln. Im Gegensatz zu ihr, wusste er offenbar wie man sie handlungsunfähig machen konnte. Sie war auf freie Hände angewiesen um auch nur irgendwas bewirken zu können.
„Was willst du von mir?“ Töten schloss sie aus, dann würde er sie sicher nicht fesseln.
„Darüber mache ich mich später Gedanken“, ihre Hände waren auf aneinander gefesselt, er stand auf und zog sie mit Schwung ebenfalls auf die Beine. Sofort brachen ihre weit spannenden federnden weißen schwingen aus ihrem Rücken. Sie wollte davon fliegen. Doch auch wenn sie ihn zweifellos überrascht hatte, wirkte er ihren Aufschwung entgegen, stemmte sich mit aller Kraft in den Boden und zog sie zurück auf den Boden. Bis kurz bevor sich ihre Nasen berührten zog er sie an sich ran.
„Noch so eine Nummer und ich schneit sie die ab!“ zischte er gereizt und sah mit Genugtuung, wie die Drohung wirkte und sie ihre Flügel einzog. Er neigte sich runter und hob ihre Tasche auf, die er schulterte ohnehin hineinzusehen. Mit einer ihr bisher unbekannten Grobheit zog er sie, an ihren Fesseln hinter sich her.

Entweder wusste er wo die Hütte stand, weil er sie ohne große Probleme fand, doch er hatte einfach schieres Glück. Er warf einen prüfenden Blick auf das zum einfallen neigene Gebäude und band sie dann an einem Baum fest, ehe er prüfte ob die baufällige Hütte einigermaßen sicher war. Während er die Gegend ab suchte ließ sie den Kopf hängen. In was für eine Lage hatte sie sich da manövriert? Gefangene von einem Typen der angeblich nicht wusste was er mit ihr anstellen sollte, was ihn unberechenbar machte. Was wenn ihm doch noch Mord in den Sinn kam? Das wussten doch alle. Assasinen sind lautlose Mörder. Feinde wurden nicht unterschieden, denn es gab nur Feinde. Wie konnte sie nur so naiv sein? Hätte ihr nicht bekannt sein sollen dass die Meereskinder eine höhere Körpertemperatur hatten als andere? Womöglich, doch dieses Wissen kam nun zu spät. Sie sah auf. Von ihm war nichts zu sehen, noch zu hören als sie lauschte. Eilig versuchte sie die Fesseln zu lösen, doch die Knoten waren raffiniert. Der verstand sein Handwerk. Sie seufzte. Und wenn er sich entschieden hatte sie einfach hier stehen zu lassen? Großartig! Da hatte sie die Heimat verlassen um sich dem immer währenden Krieg gegen die Wraith Bestien anzuschließen und endete als beraubte an diesem Baum. Und eines Tages würde man ihre Überreste finden. Nein! So wollte sie auf keinen Fall enden. Da er nicht in Sicht war, schob sie erneut ihre schwingen hervor und versuchte sich mit dem Schwung von den Fesseln zu lösen. Zweimal ruckte sie bevor sich kalter Stahl an ihren Hals legte und er sie mit Körperkraft gegen den Baum drückte
„Habe ich dazu nicht was gesagt?“
Sie hielt augenblicklich inne um der Klinge zu entkommen.
„Na?“ Fragte er nach und scharte die Schneide über die empfindliche Haut.
„Ja“, gab sie kleinlaut bei.
„Dann schneide ich sie jetzt ab!“
Verschreckt zuckte sie zusammen und spürte wieder scharfe Messer in die Haut schnitt.
„Bitte nicht!“, stieß sie hervor, spürte wie ihr Blut über die Brust lief.
 „Dann willst du jetzt artig sein?“
Sie nickte nur, doch er drückte sie ruckartig wieder gegen den Baum.
„Ja!“ bestätigte sie und zog erneut die schwingen ein. Er zog das Messer weg und sie senkte den Kopf. Niederlage. Schon wieder.
„Mach mir keine Schwierigkeiten und dir passiert auch nichts.“
Sie schluckte, nickte wieder. Auch wenn sie mehr Angst denn je hatte, würde sie sich dem fügen. Es blieb ihr nichts anderes übrig.

Wenig später, wenn auch bis auf die Knochen durchnässt, saßen sie unter dem Dach der Hütte. Die Hände noch immer gefesselt, den Rücken an der Wand. Der Assasine saß an der gegenüberliegenden Wand und untersuchte eine Stelle an seiner Brust. Er war also doch verwundet worden, dachte sie, doch er hatte einen Verband darum gewickelt und trank lediglich ein Gebräu, doch es wurde nicht helfen. Dem Ausschlag nach war, was auch immer ihm getroffen hatte, die Wunde vergiftet. Sie hatte derlei oft in ihrer Ausbildung gesehen und wusste wie man solche Wunden reinigen musste damit sie nicht wieder aufbrachen. Doch diesem Grobian wollte sie sicherlich nicht helfen wollen. Sie presste die Lippen aufeinander und atmete nur vor sich hin. Er nahm den Verband ab und fluchte ob des Eiters, dessen süßlicher Geruch bis zu ihr drang.
„Du bist Heilerin oder?“
Sie sah ihn an und dann demonstrativ zur Seite. Soll er doch verrecken, dachte sie stur, vor mir hat er keine Hilfe zu erwarten. Er taxierte sie mit seinem Blick bevor er aufsprang und zu ihr kam. Grob packte er ihr Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. Es waren schöne Augen, musste sich gegen jeden Willen eingestehen. Sein Griff war es allerdings nicht.
„Wolltest du nicht artig sein?“ rief er ihr in Erinnerung. Sie versuchte ihm in die Hand zu beißen doch er zog sie weg. Grinste wieder.
„Bissig, hm?“ erbaute sich vor ihr auf und began seine Rüstung abzulegen. Je nackter er wurde umso mehr musste sich zwingen hinzusehen. Die Muskeln waren definiert durch und durch. Der Körper durch Training gestärkt, durch Kämpfe gezeichnet.
„Das war das Vieh das mir das angetan hat, auch“, fuhr er fort und zeichnete die alten narben nach die sich quer über seinen Brustkorb zogen, „und jetzt ist es tot.“
Sie spürte wie ihr Mund trocken wurde.
„Schade, ansonsten hätte ich meinen Dank ausrichten können.“
„Sprichst du wieder mit mir?“
Sie biss sich auf die Lippe und sah wieder weg.
„Also - bist du nun in der Heilkunde bewandert? Dein Rucksack ist voller Medikamente.“
Sie schnaubte. Das hatte also getan als sie in den Baum gefesselt war. Er wartete auf ihre Antwort doch sie schwieg beharrlich.
„Hilfst du mir wenn ich dich los binde?“
Sie sah zu ihm, vermied aber irgendwo anders hinzusehen als in sein Gesicht. Sie wog die Alternativen ab. Und mit freien Händen hatte sie eine Chance ihm zu entkommen, also nickte sie. Er griff zu seiner Hose auf dem Boden und zog ein Messer hervor mit dem er sich vor ihr hockte. Er hielt ihr die Spitze vor die Nase.
„Eine falsche Bewegung und du musst dir nie wieder Sorgen um deine Flügel machen, weil das was ich dir dann antun werde tausendmal schlimmer wird. Verstanden?“ sein Blick bohrte sich in ihren. Sie nickte vorsichtig und er schnitt ihr noch nach weiteren taxieren die Fesseln durch. Sofort massierte sich die steifen Handgelenke. Das straffe Seil hatte seine Spuren hinterlassen. Nichts für die Ewigkeit, dafür würde sie schon sorgen. Er blieb vor ihr hocken, den Oberkörper gestreckt. Sie atmete tief durch und legt ihre Hand an seine warme Haut. Den Heilspruch musste sie mittlerweile nicht mal mehr laut aussprechen ihre Hand glühte auf und das Licht wanderte weiter in die Wunden auf seiner Brust. Sie strich abschließend darüber und rasch wuchs gesunde Haut nach. Er verfolgte ihre Bewegungen und hielt ihre Hand fest bevor sie sie wegziehen konnte. Sie war zuversichtlich dass sie nichts falsch gemacht hatte, also erwartete sie endlich etwas freundliches. Dank zum Beispiel. Stattdessen hatte sein Blick etwas Raubtierhaftes angenommen.
„Ab heute gehörst du mir!“ sie sah ihn erschrocken an. Das war nun ein geschmackloser Witz, nicht wahr?
„Wie bitte!?“
„Du hast schon verstanden, was ich gesagt habe.“
„Ich gehöre niemanden!“ Sie versuchte sich aus seinem Griff zu befreien.
„Bis jetzt nicht. Aber jetzt wirst du dich an den Gedanken gewöhnen müssen mir zur Verfügung zu stehen!“
„Niemals!“
„Du hast keine Wahl. Ohne mich überlebst du keine drei Tage da draußen.“
 „Ich bin vorher bestens allein zurecht gekommen!“
„Halt den Mund, wenn du nicht weißt du von du sprichst.“
„Ich weiß sehr wohl wovon ich spreche! Ich hab auch unzählige Wraith erlegt!“
„Die kleinen schafft selbst ein Säugling. Da wo ich hingehe ist mehr los als der Kinderkram in den Provinzen.“

05.08.2014

4 gute Gründe wieso ich den Sommer hasse

Die vermaldeite Hitze
Gegen Hitze ist naemlich irgendwann kein kraut mehr gewachsen. Irgendwann ist man nur noch nackt und zerbricht sich den kopf inwieviele teile man sich schneiden sollte um ins Eisfach zu passen. Aisserdem bin ich mit einer Allergie gesegnet die im Sommer hochkonjunktur hat, meine Haende sind voller quaddeln die schmerzhaft spannen. Danach schaelt sich die Haut weg und - ja kein schoener Anblick.

Halbnackte/Nackte Menschen
Ein ertrag aus der Hitze das fast alle mit mehr beziehungsweise weniger stoff auf der haut umherlaufen und geben wir es doch mal zu: Manche Leute will man nichtmal angezogen sehen. Zumal fuesse echt haesslich sind und alle welt sowas bescheuertes wie offene schuhe traegt. Irks neh?

Schweiß
Ich kann schwitzen nicht ausstehen. Staendig schwitzt man im Sommer und jede Bewegung an frischer Luft deckt einen ueppig mit Staub und Bakterien ein, man fuehlt sich direkt wieder dreckig. Also ich zumindest. Ueberall flecke und kein makeup der Welt haelt wie es halten soll. Die Haut glaenzt - es riecht! Und Leute die sich im Sommer nicht mind. Einmal taeglich unter die Dusche stellen sind rasch ein Fall fuers Gesundheitsamt. Vorzugsweise findet man solche Stinker auch noch ueberall.

Ungeziefer
Spinnen moegen warme Ecken, Fliegen jeden scheiß, Muecken unser Blut und Obstfliegen und Nachwuchs unseren Abfall. Ekelviecher allesamt!

23.07.2014

Gefallen

Und doch fallen sie auf ewig.
Der Wind wirbelt durch die offenen Haare. Schwerelos zugleich fallen sie wie Blei, wie eine Feder.

Ohne einen halt auf dieser Ebene fallen sie.
Sie fallen.
Gibt es weder einen Halt noch einen Aufprall.
Schwerelos ist ihr Fall.
Ihr Fall ist schwerelos und frei.

Ist es wirklich die Luft die einen glaubt noch Atmen zu können? Mag es nicht der Atem Gottes sein, der sie erhält in ihrem Fall. Wo sind die Erinnerungen? Wo sind die ganzen Bilder die man erwartet. Stattdessen um einen herum nur die Dunkelheit und die Gewissheit zu fallen. So wie man gefallen war zu jenem Augenblick da die Dunkelheit einen noch nicht ummantelt hatte. Ein Mantel aus Finsternis, der fröstelte, der wärmte.

Fühlte man noch irgendwas, als man denn fiele.
Man fiel.
So viele Fragen herrschten, so viele Antworten sollten gefunden werden. Wie konnte es geschehen das die Dunkelheit den Körper umschloss wie ein schützender Arm? Warum fiel man? Sie Fallen, um nachzudenken. Sie fallen in die Ewigkeit um sich bewusst zu werden. Jede Bewegung der Finger, jede Streckung der Glieder war nun das erste Mal.

Schwerelos und neugeboren.

Jedes Blinzeln war das erste Mal und es war bei jedem anders. einige wurden sich dessen bewusst. Andere fürchteten sich. Sie fürchteten sich so sehr, das sie versuchten sich festzukrallen. Sie wollten zurück. Jene unruhigen Seelen, die zurückkehrten, waren weder Leben noch Tod. Sie schienen so unwirklich wie diese unbewusste Realität die man verspürte ohne den geringsten Wunsch zu haben dies zu spüren. Dunkelheit, sie umarmt und beherrscht.  Vielleicht frohlockte der rauschende Wind zu einer Melodie von Unendlichkeit, oder war es tatsächlich eine Melodie? Spielten dort geige und Klavier? Gab es eine Flöte zu hören? Zuerst sanft und kaum wahrnehmbar. Wie jene Stummfilme von vor mehr als einem halben Jahrhundert. Menschen die in Schwarz weiß durch die Bilder huschten und jene Gefühlsregungen mit schwerer oder fröhlicher, schneller oder langsamer Musik unterbrochen wurden?

Sie Fallen.
Sie Fallen alle.

Gefallen

Und doch fallen sie auf ewig.
Der Wind wirbelt durch die offenen Haare. Schwerelos zugleich fallen sie wie Blei, wie eine Feder.

Ohne einen halt auf dieser Ebene fallen sie.
Sie fallen.
Gibt es weder einen Halt noch einen Aufprall.
Schwerelos ist ihr Fall.
Ihr Fall ist schwerelos und frei.

Ist es wirklich die Luft die einen glaubt noch Atmen zu können? Mag es nicht der Atem Gottes sein, der sie erhält in ihrem Fall. Wo sind die Erinnerungen? Wo sind die ganzen Bilder die man erwartet. Stattdessen um einen herum nur die Dunkelheit und die Gewissheit zu fallen. So wie man gefallen war zu jenem Augenblick da die Dunkelheit einen noch nicht ummantelt hatte. Ein Mantel aus Finsternis, der fröstelte, der wärmte.

Fühlte man noch irgendwas, als man denn fiele.
Man fiel.
So viele Fragen herrschten, so viele Antworten sollten gefunden werden. Wie konnte es geschehen das die Dunkelheit den Körper umschloss wie ein schützender Arm? Warum fiel man? Sie Fallen, um nachzudenken. Sie fallen in die Ewigkeit um sich bewusst zu werden. Jede Bewegung der Finger, jede Streckung der Glieder war nun das erste Mal.

Schwerelos und neugeboren.

Jedes Blinzeln war das erste Mal und es war bei jedem anders. einige wurden sich dessen bewusst. Andere fürchteten sich. Sie fürchteten sich so sehr, das sie versuchten sich festzukrallen. Sie wollten zurück. Jene unruhigen Seelen, die zurückkehrten, waren weder Leben noch Tod. Sie schienen so unwirklich wie diese unbewusste Realität die man verspürte ohne den geringsten Wunsch zu haben dies zu spüren. Dunkelheit, sie umarmt und beherrscht.  Vielleicht frohlockte der rauschende Wind zu einer Melodie von Unendlichkeit, oder war es tatsächlich eine Melodie? Spielten dort geige und Klavier? Gab es eine Flöte zu hören? Zuerst sanft und kaum wahrnehmbar. Wie jene Stummfilme von vor mehr als einem halben Jahrhundert. Menschen die in Schwarz weiß durch die Bilder huschten und jene Gefühlsregungen mit schwerer oder fröhlicher, schneller oder langsamer Musik unterbrochen wurden?

Sie Fallen.
Sie Fallen alle.

22.07.2014

Gewohnheit schafft Geborgenheit

Es war das prasseln des Regens an der Fensterscheibe das ihn dazu animierte einzuschlafen. Eine Zeit lang hatte er nur am Fenster gesessen und nach draußen gesehen. Unter seinen verschränkten Armen auf dem er seinen Kopf gebettet hatte, lagen nochmals auf einem Kissen um die härte der Fensterbank zu mildern. Sein Atem war ruhig, sein Blick zuletzt war trüb. Unten, im Erdgeschoss hatten sich die wütenden Stimmen beruhigt. Mutter und Vater die sich dort gestritten haben. Der Wortwechsel war hier oben unverständlich, aber das Stimmengewirr lag in der Luft, bleiern schwer, wie die Kraft die die Regentropfen dazu brachten auf der weichen Erde der Landschaft dort draußen auf zu klatschen, zu brechen. Ein Ungestümer Wille gehalten von der Illusion sich in Sicherheit zu wiegen. So kam es auch, das er die Stimmen ebenso fürchtete wie liebte. Beständigkeit brachte Geborgenheit. Ein Streit der Eltern schaffte etwas von Geborgenheit. Weil es immer schon so gewesen war. 

Mehr von mir lesen? Klickst du hier.

Gewohnheit schafft Geborgenheit

Es war das prasseln des Regens an der Fensterscheibe das ihn dazu animierte einzuschlafen. Eine Zeit lang hatte er nur am Fenster gesessen und nach draußen gesehen. Unter seinen verschränkten Armen auf dem er seinen Kopf gebettet hatte, lagen nochmals auf einem Kissen um die härte der Fensterbank zu mildern. Sein Atem war ruhig, sein Blick zuletzt war trüb. Unten, im Erdgeschoss hatten sich die wütenden Stimmen beruhigt. Mutter und Vater die sich dort gestritten haben. Der Wortwechsel war hier oben unverständlich, aber das Stimmengewirr lag in der Luft, bleiern schwer, wie die Kraft die die Regentropfen dazu brachten auf der weichen Erde der Landschaft dort draußen auf zu klatschen, zu brechen. Ein Ungestümer Wille gehalten von der Illusion sich in Sicherheit zu wiegen. So kam es auch, das er die Stimmen ebenso fürchtete wie liebte. Beständigkeit brachte Geborgenheit. Ein Streit der Eltern schaffte etwas von Geborgenheit. Weil es immer schon so gewesen war. 

Mehr von mir lesen? Klickst du hier.

22.12.2013

Dinge die mich richtig nerven (1)

Hallo ihr lieben (oder auch nicht),

Ich bin ein wirklich guter Mensch. Mein Herz sitzt an richtiger Stelle. Ich bin viel zu oft treuherzig und nachgiebig, kann schlecht nein sagen und bin in echt zuvielen faellen einfach viel zu nett. Kurz vor Weihnachten ist das besonders schlimm. Nicht das ich der naechstenliebe so angetan bin. Bei manchen Menschen stimmt das schon, in vielen zeiten immer erst die dann ich oder gar nicht. Ich bin auch Egoistisch, keine Sorge, aber ich gehoer zu den Menschen die sich hinten anstellen. Koennte mit den britischen wurzeln zu tun habenp das ich mich gern einreihe. Wenn es also jemandem schlecht geht und mir genauso blende ich mich haeufig aus und rede dem anderen gut zu. Verteidige schuldige und versuch es abzumildern was geschehen ist. Wird schon wieder, gerade nur eine stressige Zeit, morgen ist alles wieder gut...blabla. Ihr kennt das sicher. Phrasen die eventuell gar nicht stimmen aber erstmal beruhigen. Das ich damit diverse Arschloecher in Schutz nehme wird mir allzuoft bewusst wenn es wirklich nur Phrasen bleiben. Und nun steh ich da, hab also bloedsinn gephrast und pack mir an den kopf. In dem moment erwacht in mir jedesmal der bruellende Loewe der Gerechtigkeit. Ich bin fair und erwarte das leider von meinen Mitmenschen. Leider! Wenn ich etwas wirklich hasse ist es ungerechtigkeit. Da geht bei mir der Hut hoch. Solche aussagen wie 'Das Leben ist nicht fair' mag durchaus stimmen. Das Leben an sich hat auch jedes recht dazu. Fressen oder gefressen werden. Aber ich rede ja nicht vom Leben, sondern von Sozialitaet. Also genau ab da wo Menschen sich zusammenschlossen. Genau dieser Zeitpunkt als Urmensch Brumm zu Urmensch Grumpf sagte: "Umrphf fru fru jai jai mekkel teggel ugg ugg" ("Lass mal unsere Hoehlen zusammenlegen, dann koennen wir besser aufeinander aufpassen. Und die Frauen tauschen und so.")
Gegenseitige Ruecksichtsnahme hat btw Hasenherrscher Klopfer schon mal thematisiert. Kann ich gerade schlecht verlinken aber ihr googelt das schon.
Ungerechtigkeit ist also mein rotes Tuch.

Dieser Post ist uebrigens der Spinne auf dem Personalklo zu verdanken die ruecksichtslos meinen Weg kreuzte und mich zu tode aengstigte. Das Thema aber an sich sind Erkenntnisse der letzten Tage.

30.01.2013

Selbst gefragt und selbst geantwortet



Ich frage mich – und das trotz vieler Ideen und Inspirationen – ob das schreiben wirklich das ist was ich kann. Vielleicht gibt es da die einen oder anderen Proteste, was erfreulich wäre aber damit ist die Frage nicht beantwortet.

Es ist ein paar Monate her, da hab ich während der Schicht einige Fragen zusammengestellt und das nur weil absolut tote Hose geherrscht hat. Fragen zum Schreiben zum Script an dem ich schon so lange sitze. Beinahe 11 Jahre um genau zu sein. Elf. Elf. Jahre. Ich glaube meine Frage nimmt verständliche Formen an. Ansonsten haben meine Leser eben doch zu wenig Hirn. Also ihr jetzt.

Welches Genre?
Fantasy

Welches Geschlecht hat die Hauptfigur?
Weiblich

Welches Wort fällt dir für das derzeitige Kapitel ein?
ARGH!

Benutzt du Stereotypen?
Ich Versuchs. Man kommt nicht ohne aus. Man kommt auch nicht drum herum. Man kann versuchen sie anders zu nennen, könnte ihre Eigenschaften ganz durcheinander werfen aber letztendlich ist das doch eh immer dasselbe. Und begeistert trotzdem Generation für Generation. Mal von Edward abgesehen.

Lieblingscharakter?
Da müsste ich eigentlich antworten das es die Hauptfigur ist. Andereseits.. hab ich auch ein faible für den Bösen.

Rassen?
Von Einhorn bis Zwerg ist da so ziemlich alles dabei.

Deine Hauptfigur ist nicht alleine weil…?
Sie sonst schon tot wäre?

Gibt es einen Bösewicht?
Den gibt es doch immer. Und ich liebe ihn.

Also gibt es kein Happy End?
Dooooch… glaub ich.

Glaubst du?
Joaa…

Wie viele Seiten hat das erste Kapitel?
20? Das ist ja insofern gar kein Kapitel sondern eher so ein… Appetithäppchen. Meins.

Hast du eine feste Seitenzahl im Kopf?
Jain. Für den ersten teil hatte ich das aber ich hab gemerkt das man sich damit nur wahnsinnig unter Druck setzt. Und Leseratten kennen ja den Ausgang solcher Geschichten. Siehe Harry Potter 7 oder auch Biss zum Abendrot (Ja ich hab es gelesen, danke und gute Nacht!) wo man durchaus merkt das die Autoren da irgendeinen Mist eingebaut haben nur damit das Buch dicker wird.

Und? Seitenzahl trotzdem eingehalten?
…ja >.<

Warum erster Teil?
Und zweiter und dritter…

Wozu?
Ich mag die Vorstellung an sich von drei Teilen.

Orientierst du dich da an Autoren aus dem Genre?
Ich dachte eher nicht an HDR.. okay jetzt kommts: Ich hab da so einen tick. Also das obere Regalbrett für meine Bücher ist für Bücher die eine Serie bilden, das sieht hübsch aus.

Welche stehen da?
Herr der Ringe, Harry Potter, Schattengilde, Die gottverdammte scheiß Bis(s)-Reihe…

Dein Script soll es bis ins Regal schaffen?
Das wird es so oder so, aber die sollen auch in vielen anderen stehen. Weltweit.

Willst du damit reich werden?
Es wird Leute geben, die lachen jetzt: Mich macht allein die Vorstellung, das es Leute gibt und geben wird die es sich ins Regal stellen und es einfach immer wieder gerne lesen, glücklich.

Warum stellst du es dann nicht auf eine Plattform im Netz?
Ich mag das nicht. Ich mag keine Ebooks und halte jeden der einen ebookreader besitzt auf den Mond geschossen.

Aber anderes?
Also ein gebundenes Buch hat doch wesentlich mehr persöhnlichkeit als so eine verdammte blipblip datei auf einem dings das man nicht notfalls unter den wackelnden Tisch schieben kann, he? Wenn mich ein Verlag nehmen wollen würde und es auch als Ebook rausbringen wollte sag ich dazu nicht, da geht es eben ums „auch“

Kurisosestes Statement zu dem Script?
Die Hauptfigur sei nicht homosexuell genug.

Bitte?!
Ja… so hab ich auch geguckt. Dabei hab ich lauter bisexuelle im Script. Und eine Lesbe!

Erzähl!
Wo wir wieder bei Stereotypen wären…

Woher kommen deine Ideen?
Größtenteils aus dem Bett. Entweder ich träume davon oder es kommt beim filmablauf in den Sinn.

Filmablauf?
Ich lasse vorhergegangene Szenen im Kopf abspielen und manchmal ergibt sich was. Aber meistens haben sie nur Sex.

Und wenn dir nichts einfällt?
Wird auch nicht geschrieben.

Purer Luxus!
Kann ich mir erlauben, es gibt ja keine deadline. Allerhöchstens ungeduldige Testleser.

Nimmst du noch welche an?
Sicher. Aber ich nehme nicht jeden.

Angst vor Kritik?
Nein, angst davor keine zu bekommen.

Mal ans hinwerfen gedacht?
Jeden Tag. Letztendlich ginge damit aber Herzblut verloren. Und aufgeben würde bedeuten es so publik zu machen.

Klingt hart. Immerhin gab es schon Autoren die damit Glück bei einem Verlag hatten.
Ja aber schon mal so eine Plattform gesehen? Das ist so was wie ein Kettenbrief: Nerve so viele Leute wie möglich auf diesen Link zu klicken. Für mich hat das nicht von ehrlichem Interesse. Ich meine, muss ich wirklich andere Geschichten lesen und für gut befinden damit man es auch mit meinen tut? Ganz genau so funktionieren solche Plattformen.

Also glaubst du dich nicht konkurrenzfähig?
Das schon, aber mir fehlt es da an Skrupellosigkeit.

Hörst du gerne Musik zum schreiben?
Wenn nicht gerade was anderes läuft ja, durchaus.

Welches Lied würde zum Script passen?
Shakespeares Sisters mit Stay. Ich war noch ein kleiner Knirps als ich es zum ersten mal als Video auf MTV sah und es zählt zu meinen Lieblingsliedern. Zu welchem Teil das passt ist abhängig vom jeweiligen Kapitel. Vielleicht eher das erste weil es da noch Zwischenkapitel gibt.

Was hörst du generell?
Für härtere Szenen, erotische, lustige etc hab ich jeweils einen anderen Geschmack.

Beispiele?
Zu viele zum aufzählen.

Kapitel 1, Buch 1, Erster Auftritt des Bösewichts:
Slept so long  von Jay Gordon

Wieso?
Er ist ne geile Sau. Er kriegt die geilen Lieder.

Die magst es also etwas härter?
Nein (schmunzel) ich denke nur meine Fantasie.

Wieso schreibst du Erotik dann nicht aus?
Tu ich doch. Aber die Seiten sind dann nur für mich. HA!

Ein vierten Teil nur mit den erotischen Stelldicheins?
So kann man das nennen. Aber eben nur für mich. Ich will ja doch jugendfreundlich bleiben. Mal davon ab das ich nicht hart ins Detail gehe aber auch nicht zu blumig umschreibe das da jemand Sex hat.

Schreibst du emotional?
Ich heule dauernd. Ich hoffe das merkt man.

Gibt es Stimmungen die die beim schreiben hasst?
Langeweile.

Soviel zu selbstgesprächen
Liebe grüße
Aya

06.11.2012

[Kuss der Muse] Kurzes Vergnügen [18er]

Sie schrie ihre Lust aus tiefster Kehle hinaus, sackte vollkommen in sich zusammen und stieß ihren heißen Atem hinaus, japsend und immer noch, als sein Gesicht wieder über ihren flachen Bauch auftauchte und damit ihre nassen Schenkel verließ. Sofort spürte sie wie die Hitze zwischen ihren Beinen von der Kühle des Frühtaus erfasst wurde. Seine Küsse wanderten über ihr Schambein, seine Zunge leckte die Schweißtropfen bis zu ihren Brüsten fort. So über sie geneigt, liebkoste er ihren Hals, vollendete ihren Orgasmus mit einem tiefen Kuss ihrer Lippen. Während ihr Körper nach noch mehr verlangte, schob er sich von ihr herunter und griff zu seinem Hemd, das er über das Geäst des Busches ausgebreitet hatte, das den beiden als Sichtschutz gedient.
„Bitte“, bettelte sie heiser, „Hör nicht auf.“
„Ich muss“, antwortete er rau. Er zog sich das Hemd über, knöpfte es zu. Weiterhin achtete er darauf das sein Gesicht im Schatten lag.
Sie bäumte sich auf und krallte sich in seinem Hemd fest.
„Wieso?“
„Ich muss heim.“
Sie ließ von ihm ab, legte sich zurück auf den nassen, erdigen Boden. Zurück ins Herbstlaub.
„Ich hatte geglaubt, als sich deine Hand um meinen Mund gelegt hatte, das du mich vergewaltigen wolltest“, wisperte sie leise.
„Falsch gedacht.“
Sie kicherte. „Machst du das öfter?“
„Ein- zweimal im Monat.“
„Verräts du mir warum?
Er schien kurz zu überlegen, seufzte dann.
„Lieber nicht.“
Als sein Hemd geschlossen war, stand er auf, klopfte sich den Schmutz von der Hose und ging.


Liebe Grüße
Aya

13.10.2012

Kuss der Muse: Flaschenpost [Kurzgeschichte]


Ich hatte mir nichts dabei gedacht, als ich die Post aus dem Briefkasten zog. Es war ein Ritual wie jeden Abend nach der Arbeit. Und es brachte in der Regel nichts weiter als Rechnungen, ab und an auch eine Mahnung und vor allem Reklame. Meine beste Freundin Anne lachte jedes Mal über das Wort. Wo sie zum Wort Werbung greift war es bei mir immer nur Reklame. Das lag wohl einfach daran das, als ich noch jünger ich war meine kompletten Sommerferien bei meinen Großeltern verbracht habe. Die gebrauchten das Wort Reklame zwar auch nicht, aber bei ihnen lief Tag ein, Tag aus das Radio und immer wenn zwischen uralten Klassikern wie Baby Blues und Love me Tender, die Moderatoren Luft holten schalteten sie die Reklame ein, mit vollmundiger Ankündigung. Also war das allabendliche Ritual Post aus dem Briefkasten zu ziehen eine kleine Erinnerung an viele unbeschwerte Tage meiner Kindheit. Mittlerweile verbrachte ich meine Sommer nicht mehr bei meinen Großeltern, aber ich sollte an diesem Abend eine ganz spezielle Erinnerung an sie wieder wachrufen, als ich neben zwei Briefen auch eine Postkarte hervorzog. Darauf abgebildet, eine Flaschenpost in weißem Sand, dekorativ einige Muscheln Drumherum drapiert. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal eine Postkarte bekommen hatte, es musste Jahre her sein. Wenn nicht sogar ein Jahrzehnt. Postkarten kamen irgendwie aus der Mode, wenn man nicht gerade Freunde hatte die welche aus ihrem Urlaub sendeten um einen der Daheimgebliebenen so richtig neidisch und verbittert zu wünschen. Die Handschrift war fein, fast schon zu schön um tatsächlich von einem Mann zu stammen, aber unter den wenigen Zeilen stand tatsächlich der Name Peter. Ich hatte keine Freunde die so hießen und selbst in der Familie gab es niemanden. Auf der Arbeit gab es einen, aber es müsste schon einiges kommen, bevor der eine Postkarte verschicken würde. Zumal ich wusste das er eine Sauklaue besaß die man nur unter schwersten Anstrengungen entziffern konnte. Besagter Peter war nämlich mein Chef und ich seine Sekretärin. Ich überflog die Zeilen. Die Zeile wohl eher, denn es gab nur eine. „Sommer 1995 – Peter.“ Vor siebzehn Jahren, als ich zehn Jahre alt gewesen war. Ich stieg in den Aufzug der mich in den achten Stock befördern würde und sah mir die Karte genauer an. Sommer 1995. Der letzte Sommer den ich bei meinen Großeltern verbracht hatte. Wo meine Oma mir eines Abends UNO beigebracht hatte und ich ganz wild drauf wurde, das ich Oma und Opa jeden Abend gebeten hatte die Karten auszupacken. Der Sommer wo mein Opa mir beigebracht hatte, wie man flicht. Und wenn wir nicht UNO gespielt hatten, flocht ich mit Begeisterung alles, was ich in die Finger bekam. Schnüre, Bänder, Omas Wollknäuel und zum Ärgernis der beiden, die flatterhaften Bänder des Türvorhangs. Im Sommer 1995 beschloss ich nicht mehr die Ferien bei ihnen zu verbringen. Dazu kam ein Schulwechsel und ich lernte Anne kennen. Selbstverständlich verbrachten wir die Schulferien immer zusammen. Anne und ich, es gab uns immer nur im Doppelpack, meine erste Freundin. Auch wenn man den Sommer bis dahin in einer Enkelfreudlichen Siedlung verbrachte, habe ich kaum bis gar keinen Kontakt zu anderen Kindern gehabt. Immer nur meine Großeltern und dessen Freunde. Das bescherte mir ungeteilte Aufmerksamkeit und einen Haufen Süßigkeiten, dem ich ein bisschen meine jetzige Figur zu verdanken hatte. Doch warum sollte irgendein Peter mich genau an diesen Sommer erinnern?
Ich stieg aus dem Fahrstuhl, lief zu meiner Tür und schloss auf. Hatte es unter all den Nachbarn einen Peter gegeben? Selbst wenn, erinnern würde ich mich doch nicht. Das alles wurde immer merkwürdiger.
Ich pinnte die Postkarte an die Wand und beschäftigte mich mit den Briefen. Ein Lohnbescheid der mich nur frustieren würde, weshalb ich ihn ungeöffnet ließ und einen Gutschein für zwei Wochen Türkei. Reklame. Eine Weile machte ich mir noch meine Gedanken zu der Postkarte, aber mit dem schnellen Abendessen und dem Anruf vom Chef, der alles andere als erfreulich war, vergaß ich das grübeln und auch den Grund für die Postkarte. Zumindest bis zu dem Tag, eine ganze Woche später, als ich erneut eine aus dem Briefkasten zog.

„Merkwürdig“, kommentierte Anne über ihren Karamell Macchiato hinweg und legte beide Postkarten zurück auf den Tisch.
„Ist das alles?“, wollte ich wissen.
„Was willst du hören? Du hast mir zwar davon erzählt das du im Sommer bei deinen Großeltern aufgewachsen bist, aber Einzelheiten kenne ich auch nicht um dir das irgendwie zu erklären Susi.“
Ich seufzte und nahm die Karten wieder an mich. Auch die zweite zeigte eine Flaschenpost, nur die Worte hatten sich geändert, wenn auch nicht alle. Als Absender galt immer noch Peter. Peter den ich nicht kannte, und wenn doch war er niemand gewesen, die mich in Erinnerung behalten hätte.
„Offensichtlich will dieser Peter auf etwas bestimmtes hinweisen, was damals passiert ist“, riet Anne.
„Glaubst du, ich hätte noch nicht alles abgerufen an was ich mich erinnern kann? Ich weiß nicht worauf ich hinweisen will.“
Anderes mir die Karten auf der Hand und las sie laut für sich vor. Oder für mich?
„Sommer 1995“, und „Nachbarsgarten.“ Sie gluckste.
„Eine flotte Nummer in Nachbars Garten mit dem Jungen von gegenüber?“
Ich schnaubte entsetzt auf: „Hallo? Ich war da erst zehn Jahre und selbst wenn ich über früh reif gewesen wären, würde ich mich doch wohl an so etwas erinnern!“
Es gab Momente, da fand ich sie wirklich unmöglich, andererseits hielt ich inne. Der Grund warum ich ab 95 meine Großeltern nicht mehr besucht hatte. Mein Gesicht musste viel an Farbe verloren haben, so dass Anne besorgt ihre Hand auf meine gelegt hatte. „Alles in Ordnung?“
Ich sammelte mich, so schnell ich konnte.
„Klar…“ ich sah dass sie mir das nicht so recht abkaufen wollte und setzte ein Lächeln auf, obwohl mir alles andere zumute war.
„Sicher?“ Sie kannte mich doch viel zu gut um ihr glaubhaft Dinge zu verheimlichen, und anlügen wollte ich sie auch nicht, denn wem konnte ich schon davon erzählen, wenn nicht ihr?
„Ich glaube ich weiß jetzt worauf dieser Peter hinaus will“, aber… ich wüsste nicht wieso er davon wissen könnte. Punkt. Wir waren doch alleine…“
vermutlich würde Anne jetzt grinsen und doch wieder auf das Gebüsch und dem Nachbarsjungen zurückkommen, aber ich musste aussehen als ob ich dem leibhaftigen begegnet war, so dass sie sich ihre eigentliche unbekümmerte Art verkniff.
„Susi, das ist denn da bloß passiert?“

Die Straße in der meine Großeltern wohnten war bevölkert von älteren Leuten, die entweder keine Kinder hatten oder dessen Nachwuchs schon längst außer Haus war. Erst wenn man die Straße viel weit herunter lief stieß man auf jüngere Familien. Meine Sommerferienwelt drehte sich aber nicht viel weiter als in einem Radius von sechs Häusern. Das schuf eine familiäre Atmosphäre und alle Nachbarn waren für mich automatisch Onkel und Tanten, denn es hieß oft nur: „Susi bringst du der Tante Angelika ihren Korb zurück?“ „Fragst du Onkel Hubert mal ob er eine Tasse Mehl für uns hat?“.
Es gab Tage da spielte ich oft den mobilen Fernsprecher, aber es machte bisweilen sogar Spaß. Wenn ich zu Tante Angelika gehen sollte fielen immer ein paar Bonbons in meine Tasche. Bei Tante Hildegard gab es immer was Süßes aus dem Garten, stets die Früchte der Saison. Von Onkel Michael und Tante Irmgard gab es immer Schokolade in kleinen Täfelchen. Der Tag den ich mir so lange verdrängt wieder ins Gedächtnis rief, war richtig warm. Wie jeden Tag in den Ferien bimmelte punkt drei Uhr der Eiswagen in der Straße. Für eine zweite Kugel im Becher fehlten mir ein paar Münzen aber zum Glück tauchte Michael auf und legte den Fehlbetrag aus. Er streichelte mich jovial über den Kopf und ich genoss meinen ersten Löffel. Er begleitete mich zu meinen Großeltern zurück, weil er ohnehin auf den Weg gewesen war. Während ich auf der Schaukel meinen Eisbecher leer löffelte tranken Michael und mein Opa hier nachmittags Bier zusammen. Kurz darauf rief sie mich dazu und man schlug mir vor Michael beim Unkraut jäten in seinen Garten zu helfen. Ich hatte meiner Oma manchmal dabei geholfen und fand das eher lästig und langweilig, aber ich wurde mit etwas großartigem doch überredet. Ein riesiges Planschbecken. Bei meinen Großeltern gab es keinen Pool und für eines für Kleinkinder war ich schon zu alt, also gab es dort nur ein Schlauch. Also genau das richtige für den heißen Tag und ich stimmte zu. Kaum war mein Eisbecher leer gingen wir gemeinsam in zwei in seinen Garten. Den Pool gab es doch, aus dem Unkraut jeden ist aber nie etwas geworden. Zu aller erst gab es ein Glas Limonade, für ihn noch ein Bier. Wir tranken draußen im Garten. Während ich ausgefragt wurde, wie es mir bei Oma und Opa gefiele und wie es meinen Eltern ging, hatte er seine Hand in den Shorts. Mir fiel der Kronkorken von der Limoflasche runter, ich beugte mich vor um ihn aufzuheben und konnte sehen wie er sich selbst massierte. Auf zweierlei Arten beobachtend tauchte ich wieder auf natürlich wusste ich was er da in der Hand hielt. Mit einem gewissen Maß an Ekel den man an erzogen hatte und verbotener Faszination schlug mir das Herz bis zum Hals. Er grinste. In kindlicher Neugier, schätze ich, bückte ich mich wieder um das zu sehen. Wie ertappt richtete ich mich wieder auf und versuchte das an erzogene Pfui zu vergessen, aber jeder der schon mal versucht hat sich in der Kirche das Lachen zu verkneifen, weiß wovon ich rede, denn das ist kaum bis gar nicht möglich. Ihn schien das zu belustigen, denn im Gegensatz zu mir fühlte er sich nicht ertappt. Ein Ekel stieg in mir auf, ich trank meine Limo schnell leer und entschuldigte mich knapp und lief zurück zu Oma und Opa. Ich erzählte ihnen nichts davon. In diesem Sommer war ich zum letzten Mal in den Ferien da.

Als ich mit meiner Erzählung fertig war, stieß Anne einen rüden Fluch aus. Wie damals schlug mein Herz wie die Flügel eines Kolibris. Mich in der Gegenwart wiederzufinden war beruhigend, aber der üble Nachgeschmack dieser noch so detaillierten Zeitreise lag mir bitter auf den Lippen. 17 Jahre später noch.
„Der Kerl ist doch total krank! Hast du ihn angezeigt?“
„Ich war zehn. Ich wusste so was macht man nicht, aber ich wusste ja nicht das es-“
„Pädophiles Drecksschwein“, fluchte Anne.
„Nicht zu ändern. Es ist 17 Jahre her und da war die Welt, gerade in dieser Siedlung mit der Anzahl alter Generationen so. Sowas gab es nicht und wer hätte einer zehnjährigen schon sowas geglaubt, zumal ich mich schuldig gefühlt hatte, himmel ich tut es heute noch, weil ich tatsächlich hingesehen habe. Zweimal.“
„Man Susi, erzähl doch kein Quatsch! Er ist das Schwein nicht du! Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre wenn du da nicht abgehauen wärst!“
Mir wurde kalt. Nicht auszumalen, was noch hätte passieren können.
„Du solltest ihn anzeigen.“
Ich schnäuzte ein Taschentuch. „Ist doch eh viel zu spät dafür… im Grunde hat er ja auch gar nichts gemacht.“
„Außer sich vor einer minderjährigen einen runtergeholt zu haben“, empörte sich Anne.
„Sowas verjährt doch. Meinst du irgendwie kriegt danach, was vor 17 Jahren passiert ist?“
Ich wunk ab. Ich wusste das Anne sich fürchterlich aufregt hatte, aber ich wollte das alles nicht noch jemandem erzählen, nur wieder vergessen was war.
Ich stecke die Postkarten wieder ein und nahm mir fest vor sie auf dem Weg nachhause in irgendeiner Mülltonne zu entsorgen. Ich wollte sie nicht im Haus haben.

Anni ging nicht darauf ein, wofür ich dankbar war und als wir die Woche drauf vom samstags shoppen ein Abstecher zu mir machten und ich im Briefkasten eine dritte Postkarte fand, war das Thema mit einem Mal wieder so präsent wie zuvor. Ich las die Worte und spürte Saures mein Hals aufsteigen, das sich auf die Zunge brannte. Anne riss sie mir trotz Gegenwehr aus den Händen und gab bald so erschrocken wie ich Laut von sich. Doch im Gegensatz zu mir gewandt wie man Fassung wieder. Sie riss die Karte in zwei Teile.
„Nicht!“
„Was?! Willst Du das etwa irgendwo aufhängen, oder was? Das ist widerlich!“ Sie hielt inne, statt die Karte weiter zu zerreißen: „Hast recht, das ist ein Beweis!“
„Beweis für was denn?“
„Weiß der Geier!“, sie steckte die Karte ein.
„In jedem Fall bewahre ich sie auf. Du siehst schon wieder aus wie Kalkgestein.“
„Irgendjemand weiß davon…“
„Ja, viel schlimmer noch, er macht sich auch noch einen perversen Spaß draus. Wir fahren jetzt zur Polizei!“
„Was sollen wir denn da?“
„Den Kern anzeigen!“
„Anne, dass es bei zwei Jahrzehnte her.“
„Blöd sind, besser spät als nie. Und diesen ominösen Peter schlagmichtot auch direkt.“
Anne ließ ihre Dominanz spielen und ich hatte nur das Gefühl neben mir zu stehen. Als wäre ich wieder zehn Jahre alt, das Gefühl selbst schuld zu sein, den Ekel, das Unverständnis und das Wissen irgendwas verbotenes getan zu haben.
Der Besuch auf der Wache war ernüchternd. Das hätte nach so vielen Jahren wohl kaum noch Gewicht, trotzdem bestand Anne auf eine Anzeige gegen unbekannt für den Postkartenschreiber, die der Beamte eher genervt aufnahm, oder mochte es mir nur so vorgekommen sein? Es war vollkommen wirkungslos wie ich es Anne schon zu erklären versucht hatte.
In der Nacht lag ich noch lange wach und konnte mich nicht zum schlafen zwingen. Gegen meinen willen malte ich mir aus, wie irgendwer im Busch hockte und die Szenerie beobachtete um Jahre später in irgend einem Keller zu hocken und Postkarten zu schicken.
„Was für dich auch schön?“

Ich rief an und meldete mich krank. Das erste Mal seit dem ich dort angestellt war, trotzdem wurde der Chef nicht müde ein drittes Mal zu betonen für wie absolut unfähig der mich hielt. Ich schluckte das einfach, er war schlicht cholerisch, es war nicht zu ändern. Ich war nicht krank aber das schlechte Gewissen hielt sich trotzdem in Grenzen. Ich rief Anne an und teilte ihr mit was ich tun wollte. Sie hielt mich für übergeschnappt, ließ sich aber auch nicht davon abbringen mich begleiten zu wollen, nur zur Sicherheit betonte. Ich musste ihr Recht geben, man weiß nie was passiert. So verließ ich das Haus und fuhr zu ihr um sie von der Arbeit einzusammeln.
„Gut das so schnell warst, diese blöde Pute von der Personalabteilung hat mir aufgelauert. Dachte schon ich müsste mir den Finger in den Hals stecken, damit es glaubhaft wirkt.“
Anne machte sowas öfter, da wundert es mich nicht, dass die Kollegen misstrauisch wurden. Bis in die Stadt in der ich früher jeden Sommer verbracht hatte, fuhren wir gute drei stunden. Mit gelegentlichen Pausen inklusive Frühstück kamen wir gegen Mittag an. Die Straße hatte sich ziemlich verändert. Hätte ich nicht zweimal den Straßennamen geprüft, wäre ich daran vorbei gefahren. Die Fassaden glichen sich nun alle in der gleichen Weise, allein die Vorgärten machten jedes Grundstück individuell. Ich weiß nicht was es war, dass meinen Blick anzog, aber ich hielt den Wagen am Straßenrand und wusste, das ist es. Nummer drei.
„Wie damals, hm?“ Erkundigte Anne sich und löste ihren Gurt.
Ich krampfte meine Hände ans Steuer. 17 Jahre und ich kam starr vor Schreck nicht vom Fleck. Wie tief musste es sitzen? Ich versuchte mir einzureden das ist albern war, aber es half nichts. Erst als Anne ausstieg um die Tür ins Schloss schlug schnallte ich mich ab. Nach aussteigen war mir eigentlich nicht. Ich wusste nicht einmal was sich hier wollte. Wie bin ich nur auf diese blöde Idee gekommen?
Peter.
Anne öffnete meine Tür. Wir hatten darüber gesprochen. „Komm… ich bin bei dir.“
Ich schämte mich fürchterlich mich selbst vor meiner Seelenverwandten bloß zustellen, also riss ich mich weit gehend zusammen. Wir gingen auf das Haus zu in dessen Garten sich ein Kindheitstrauma manifestiert hatte.
„Weißt du noch wie die mit Nachnamen hießen?“ Fragte Anne und warf einen Blick auf das Klingelschild.
„Nein.. Für mich war das immer nur Onkel Michael.“
„Der liebe Onkel“, schnaubte Anne. „Oh“.
„Oh was?“ Ich sah auf.
Sie legte ihren Finger auf die Klingel. Ich las den Namen. Peter Schulze.
„Was für ein Zufall. Auf einmal bekommst du Postkarten von einem Peter Schlag mich tot und zufällig wohnt ein Peter Schulze in dem Haus von deinem Peiniger.“
Misch näherte sich der Hals zu, während in meiner Freundin gerechter Zorn erwachte. Gerade wollte ich Sie bitten, dass sie wieder fahren doch sie hielt mich fest und drückte die Klingel.
„Anne, ich glaub es hackt!“
„Sscht!“
Ich seufzte tief. Sie mich fest wie ein Straubstock. Kurz dachte ich darüber nach sie zu treten. Aber sie hatte recht. Kein Michael. Neuer Bewohner und wenn es wirklich gesuchter Peter wäre? Dann können einige Takte zu den mehr als unpassenden Postkarten nicht schaden. Aber es öffnete niemand, auch nicht nach mehrmaligem klingeln. Ich wusste dass man die Klingel hinten im Garten meist nicht hören konnte. Die Garage war zu, also konnte es gut möglich sein dass darin ein Wagen stand. Anne bat mich vorne zu warten, aber lieber betrat ich den Garten mit ihr zusammen als auch nur eine minute allein hier stehenzubleiben. Einmal tief durchatmend trat ich durch dasselbe Gatter wie vor Jahren, in genau denselben Garten. Dem Pool aus Plastik war einer aus Holz gewichen, alles andere war noch ziemlich dasselbe, was mich nicht im geringsten beruhigte.
„Susanne?“ Ich fuhr zusammen, als hätte mich der Blitz getroffen. Anne drehte sich um, ich folgte ihrem Beispiel mit zitternden Knien. Vor und stand ein gut gebauter junger Mann, mit vollem Haar, Dreitagebart in Jeans und T-Shirt. Er sah gut aus, viel zu um ihn als Postkarten schreibenden Soziopathen zu sehen. Aber wenn er das nicht war, woher sollte er mich dann namentlich kennen?
„Sind sie Peter Schulze?“, Fragte Anne und ich war dankbar dass sie sich so selten einschüchtern ließ.
„Ja…“ antwortete er, „ja der bin ich. Ich war unten im Keller und hab das klingeln nicht gehört.“ Er schenkte ihr keinen vollen Aufmerksamkeit, sondern sprach als würde er mir antworten. Sein Blick durchbohrte mich bis sich Anne dreist dazwischen schob.
„Und haben sie diebisches Vergnügen dabei, Postkarten durch die Gegend zu versenden?“
„In der Tat.“
Mir blieb die Luft weg, ich hatte das Gefühl als würde mir die Beine weg knicken. Er weiß wirklich.
„Sie bescheuert? Finden Sie das etwa lustig, oder macht es Sie einfach an, sich am Leid anderer zu ergötzen?!“ fauchte Anne.
Er schien überrascht. Seine Hände. „Halt, halt, halt“, versucht er zu beschwichtigen und eine schickte nicht direkt harsche Worte in seine Richtung, weil ich mich an ihrer Hand geklammert hatte.
„Ich verstehe nicht was Sie meinen.“
„Wenn Sie nicht auf der Stelle aufhören, meine Freundin zu belästigen, dann gebe ich Ihnen mal sehr deutlich zu verstehen was wir von ihren Perversitäten halten an denen sie sich aufgeilen!“, herrschte Anne ihn an.
Nun schien er völlig überfordert. Anne kann das. Selbst ich traute mich nicht was zu sagen, obwohl es genug Fragen gab. Wer er ist, woher er meinen Namen kannte und wieso die Postkarten gesendet wurden.
„Ich wollte noch nur Susanne Wiedersehen“, stammelte er bald hilflos.
„Wieso?“ krächtze ich, mir fehlte glatt die Stimme.
Erleichtert wirkte er, zumindest kurzfristig.
„Weil du mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen bist seit diesem Sommer. Wir haben doch vor etlichen Jahren zusammen eine Flaschenpost ins Meer geworfen, erinnerst du dich? Auf dieser Kaffeefahrt an der Ostsee.“
Anne sagte nichts mehr von mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Klar, die Bummelfahrt. Meine Oma hatte Kaffeefahrten geliebt und in dem Sommer hat sie mich zu einer mitgenommen. Eine Verkaufsshow mit anschließender Bummelfahrt um Borkum herum. Und weil ich mich so tierisch gelangweilt hatte, bin ich ein weggegangen und raffte einen Jungen. Eine leere Colaflasche und zwei Briefe später ging eine Flaschenpost auf die Reise. Ich nickte schließlich.
„Tja, jemand hat die Flaschenpost gefunden vor einem halben Jahr, der schickte dann einen Brief an mein Elternhaus, die riefen mich an und ich hatte mich an dich erinnert und nach langem Hin und her fand ich schließlich deine Adresse heraus und wusste nicht so recht wenig Kontakt aufnehmen sollte. Da stand ich im Laden von diesen Postkarten und hielt es für eine gute Idee…“
Ich verstand langsam… zumindest die Postkarten, wie selbsterklärend sie doch waren wenn man sie aus diesem Blickwinkel betrachtete. Wie dumm ich gewesen war! Wie ein unreifer, Hyper ventilierender Teenager. Eines aber, blieb absolut ungereimt.
„Wieso wohnst du in diesem Haus?“
„Ach“, ergriff sich in den Nacken als sei er ein wenig verlegen, „ich hab ja gesagt das ich versucht habe das Mädchen vom Boot zu finden und ich wusste noch woher du kannst, also habe ich mich durchgefragt und bin eher aus Zufall hier gelandet, da stand es zum Verkauf… weil ich die Hoffnung fast aufgegeben hatte dich zu finden, hatte ich gehofft, wenigstens in einer früheren Nachbarschaft…“
„Wenn das kein Zufall wäre, dann würde ich es Stalking nennen“, spottete Anne.
Einen Augenblick musste ich ihr Recht geben. Das klang schon irgendwie zu zufällig. Aber er ließ sich nicht beirren.
„Möchtest du die Flaschenpost sehen?“
„Du hast sie hier?“, staunte ich.
„Klar… sie bekam einen Ehrenplatz auf dem Kamin. Habt Ihr Lust? Dann setze ich auch einen Kaffee auf. Es sieht im Haus zwar noch etwas wüst aus, aber ich kam noch nicht Zum auspacken.“
Ich tauscht ein Blick mit Anne die keinem begeisterten Eindruck machte. Aber ich war so unfassbar erleichtert das sich gern noch wenigstens einen Moment in der Vergangenheit eintauchen wollte.
„Ich glaube eine Tasse Kaffee schadet uns nicht.“
Anne seufzte genervt, aber sie stimmte mich schließlich zu.
Peter lächelte über sein hübsches Gesicht, ging voran. Im Haus standen nach Renovierung zwar eine Menge Möbel an ihrem Platz, aber viele zum Teil geöffnete Kartons und andere Kisten versperrten den Weg. Peter räumte einige zur Seite, damit wir ungehindert passieren konnten. Das Haus erinnerte nur noch von der Raumverteilung an damals, der Rest war sogar recht modern renoviert. Anne und ich nahm auf dem Sofaplatz, während Peter zum Kamin liegen und da war sie - die etikettenlose Colaflasche mit den Blättern. Er gab sie mir und während ich sie in Korb der Dinge in die Küche um ein versprochener Kaffee aufzusetzen. Ich zog die Blätter aus der Flasche Anne erhob sich.
„Wo gibt es denn hier ein Bad?“, Rief sie. Peter kann über eine Kiste steigen aus der Küche.
„Hier den Flur runter, warte, ich räume da die Kartons weg.“
Anne folgte ihm, während ich gespannt die Briefe las. Peters Handschrift war kaum zu entziffern, nicht nur weil das Wasser die Tinte verwischt hatte sondern weil er wirklich eine grausame Handschrift hatte. Er musste viel geübt haben, wenn ich an die schöne Schrift auf den Postkarten dachte. Das war fast ein wenig romantisch, und dann sah er auch noch so gut aus. Seufzend schob ich die Briefe zurück in die Flasche und stellte sie wieder auf dem Kaminsims.
Wo blieben die beiden? Ich stand auf und ging den Flur runter. Ich war so erleichtert das ich mich fast schwerelos fühlte. Dort die Tür, sie stand einen spalt offen, das ich neugierig wurde. Ich schob die Tür einen spalt breiter auf und spürte wie mir das Herz in der Brust zersprang. Ich glaubte ein Schlafzimmer vorzufinden, aber das was ich sah, war schrecklich. Die Wände waren tapeziert mit Zeitungsausschnitten über Michael Schulze, einem großen Bild von dem ‚lieben Onkel’. Ich erkannte ihn gleich wieder. Mir blieb die Luft weg. Ausschnitte aus den Lokalen Blättern, man habe in seinem Haus mehrere Skelette gefunden und könnte missbrauch nicht ausschließen. Dann gab es die Meldung man hätte ihn nach langer Fahndung geschnappt. Er saß im Gefängnis. Ich konnte mich nicht darüber freuen, noch entsetzt sein darüber das er wirklich noch weiter gegangen war, als mich dabei zusehen zu lassen wie onanierte. In meinem Kopf drehte sich alles, wieso hatte Peter solche Dinge im Haus? War der Raum einfach noch nicht renoviert worden?
„Oh nein, das solltest du doch noch gar nicht sehen…“, raunte Peter hinter mir.
Ich zuckte zusammen, als seine Hand plötzlich auf meiner Schulter lag. Sie hinterließ einen rotfarbenen Fleck auf meinem weißen Shirt. Oh Gott, Anne!
„W…..warum?“
„Weißt du, sie rollen den Fall nicht noch mal neu auf, aber jedes weitere Geständnis von irgendwem könnte die Staatsanwaltschaft dazu bringen meinen Vater nur noch länger festzuhalten.. also gab er mir eine Liste mit den potenziellen. War ziemlich schwierig dich zu finden, wegen dem neuen Namen und so, aber jetzt bist du ja hier…“
Ich wusste dass er mit irgendwas Schwung holte aber ich konnte mich nicht bewegen. Schließlich spürte ich den harten Hieb an meinem Hinterkopf, ich sah noch wie ich durch die Tür in diesen perversen Altarraum fiel und dann wurde meine Welt dunkel.

Ende.

Vielen Dank fürs Lesen. Freue mich über Kommentare mit konstruktiver Kritik, Anmerkungen und vielleicht sogar Lob. Die Rechte am Text liegen selbstverständlich bei mir.
Texte dürfen nur in wortgetreuen Auszügen und mit Angabe der Quelle, also kussdermuse.blogspot.com und zottelkind.blogspot.com übernommen werden.

22.02.2012

Ein bisschen unsinn...

Ich will Schokolade, Schokolade,
schoko- schoko – schokolade
will Schokolade, Schokolade,
schoko- schoko- schokolade.

Die Pülverchen und Mittelchen,
die Pillen und die drinks,
alle sind nur dafür da
damit die laune hinkt.
Stattdessen kommt der frust
Und auch die zickigkeit,
und wo ne zicke ist
ist das salatblatt auch nicht weit.

Ich will Erdbeerkuchen, Sahne und Kaffee,
ich will After Eight und Zucker in dem Tee,
ich will Bonbons und die große Kleberei,
Marshmallows, Eiskonfekt und süße Schweinerei.
Ich will Chips und Torten und auch mal Marzipan,
ich will Lebkuchenhäuser und zum Schokobrunnen fahr’n.

Ich will Honigmilch und Nüsse,
Lakritze und sogar Schokoküsse,
will Vanilleeis um jeden Preis,
und was ich krieg, ist dieser scheiß:

Yokebe, Slim Fast und Aktive Fit,
gesund abnehmen, schritt für schritt,
gesund mag sein, das räum ich ein,
aber eigentlich wollt ich nur glücklich sein!
Wiege dies und wiege das,
zähl Kalorien das macht doch spaß,
zähle punkte fühl dich gut,
aber all das raubt mir nur den Mut!
Der Arzt er sagt er will mich schlank,
ich sagte ihm, das macht mich krank,
er sagt okay und grinst zu mir,
ich mein ist klar – ich finanzier.
Und alles was ich abnehm ist ganz schlicht:
Weder beine, arme, po und gesicht,
das einzige was schnell vergeht,
ist laune und lebensqualität.



Es gibt so Sachen man,
die ich gar nicht haben kann,
das fängt schon beschissen,
mit der Monatsblutung an.
Einmal im Jahr,
das ging noch klar,
aber einmal im Monat,
und der Alptraum wird wahr.
Ich hab nicht drum gebeten,
da bin ich ziemlich sicher,
wen muss ich also treten?
Kicher..kicher..kicher


Liebe Grüße
Aya

11.11.2011

Bis der Wind sich dreht

.. war ursprünglich ein Projekt für einen Literaturwettbewerb, den ich aber nie verschickt habe.

Bis der Wind sich dreht

Rumms – da fällt die Tür ins Schloss. Auch wenn es hier oben noch zu hören ist, so erschrecke ich mich seit langem nicht mehr, wenn das eingefasste Glas unter dem Knall nachvibriert. Nach großen und vor allem lauten Worten, entfernen sich die Schritte und die Haustür wird zugeschmissen. Wie heute ist  es meistens das Wochenende, das diese Art der Kommunikation mit sich bringt. Meine Mutter ist gegangen. Vielleicht hat sie die Hunde mitgenommen auf dem Weg zum örtlichen Kiosk, um frische Luft zu schnappen, einen Kaffee zu trinken und darüber zu klagen, dass der Mann, der nun alleine im unteren Teil des Hauses wüten kann, sie nicht versteht. Sie wird ihren Kaffee trinken, vielleicht auch zwei und schließlich wieder nach Hause kommen. Immer noch wütend, aber ruhiger als zuvor. Dann werden die beiden sich aus dem Weg gehen, zumindest bis sie sich zum Abend wieder das Schlafzimmer teilen werden. Er wird ihr nicht sagen, dass es ihm Leid tut, er wird nur beteuern, dass er ein Blödmann ist. Aber das wird ihr nicht reichen und frustriert über all das werden sie beide schlafen und am nächsten Morgen aufwachen und frühstücken, als sei nichts gewesen. Jedoch mit diesem kleinen Rest an Groll, den beide füreinander hegen. Zumindest bisher ist das immer in diesem Schema abgelaufen. Nur heute nicht. Heute soll ich nicht einfach allein hier oben bleiben und mein Mitgefühl an meine Mutter weiterreichen, für mich in Gedanken. Nein, der Mann, mit dem wir hier zusammenleben, kommt die  elf Stufen zu meinem Zimmer hoch und setzt sich zu mir auf die Couch. Ich habe diesen beißenden Geruch direkt in der Nase, und damit weiß ich auch, warum sie gestritten haben. Seine Neigung zum Alkohol und die Unfähigkeit, sich darin Grenzen zu setzen und auch daran zu halten. Ich bin mir sicher, dass, egal was ich sagen oder tun werde, es von einem Ohr zum anderen wieder hinausgehen wird. Und auch morgen früh wären meine Bemühungen ihm zuzureden vollkommen nichtig und vergessen. Dennoch greife ich just zu meiner Tasse Tee und sehe ihn an. Ich sage kein Wort, lasse ihn zur Ruhe kommen, denn eigentlich ist er noch nie nach einem Streit unter den beiden hier hoch zu mir gekommen. Ich bin gespannt, ob er hier her kommt um auch wortlos wieder zu gehen oder ob er reden will. Der Alkohol löst ihm die Zunge und Dinge die er denkt, aber nie sagen würde, werden gesagt. Dinge die andere verletzen und längst kein Teil mehr der Höflichkeit sind. Der Moderator im Fernseher kündigt ein neues Highlight an, aber meinen Blick kann ich nicht von diesem Menschen abwenden, der bei mir versucht Trost zu finden, statt in sich selbst hineinzuhorchen, wie es überhaupt jedes Mal dazu kommen kann.

Meine Mutter und ich waren vor einigen Monaten neu in diese Gegend gezogen. Über einen gemeinsamen Freund, lernte sie schließlich diesen altbackenen Dachdecker aus dem Nachbardorf kennen. Ohne es damals wirklich zu ahnen, entwickelte sich nach und nach eine gemeinsame Sympathie, die es erlaubte, dass die beiden sich näher kamen. Zuerst war es nur ein Kaffee, dann die gemeinsamen Abendessen fast jeden Tag in der Woche und das Wochenende verbrachten sie stets gemeinsam. Trotz der Liebe, die beide füreinander empfanden, offenbarten sich schnell einige Probleme, die noch zu tief in beiden saßen und jetzt erst zum Vorschein kamen. Vor zwei Jahren etwa verlor er seine Frau durch einen Autounfall bei dem sie ihren Sohn, seinen Stiefsohn, zurückließ und ihn natürlich auch. Seinen Kummer, obwohl die Ehe nach eigenen Aussagen mehr schlechte als gute Seiten gehabt hatte, ertränkte er im Alkohol. Sein verdientes Geld wurde bei jungen Huren im Bordell gelassen. Um Ablenkung zu suchen, schrieb er sich im Kegelclub des Ortes ein und spielte einmal im Monat dort. Er traf Freunde, die von seiner Situation wussten, jedoch auch nie den Versuch unternahmen, ihm aus diesem tiefen Loch wieder herauszuhelfen. Da sein Stiefsohn studierte, war dieser nur über das Wochenende im Haus. Beide kamen nie dazu, das Geschehende irgendwie zu verarbeiten. Beide lebten nur nebeneinander her, weil sie keine Wahl hatten. Er sah in dem Jungen etwas, das ihm von seiner verstorbenen Frau geblieben war, und der Stiefsohn sah in seinem Stiefvater nur noch das, was der Alkohol aus ihm gemacht hatte. Diese Geschichte, teils von ihm selbst erzählt, erfuhr man jedoch in einer anderen, subjektiveren Sichtweise von seinen Bekannten und dann lehrte er seine Geschichte persönlich, indem er sie nicht los ließ und immer noch lebte. Natürlich sahen wir, dass der Tod eines geliebten Menschen ein schwerer Schicksalsschlag war, dennoch konnten wir nicht das Verständnis mehr dafür aufbringen, weil er nie versucht hatte, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Nun hatte er in meiner Mutter eine neue Liebe, eine bessere Zukunft gefunden, dennoch änderte sich nicht viel. Wir gaben unser kleines Häuschen am See auf um zu ihm und seinem Stiefsohn, in deren Haus zu ziehen. Er baute den Trockenraum über der Waschküche aus, damit ich dort mein Zimmer gestalten konnte. Er versuchte eine Menge, um uns ein besseres Leben als zuvor möglich zu machen, aber das eigentliche Problem wurde mit Farbe und neuem Teppich nicht gelöst. Vieles wurde zum Streitthema. Der Stiefsohn, der glaubte meine Mutter solle seine ersetzen, und ihr neuer Freund, der in meiner Mutter ebenfalls seine verstorbene Frau sah. Es war wieder eine Frau im Haus, die kochte, die das Haus und das Grundstück sauber hielt. Doch wenn es eine typische Hausfrau gäbe, so würde meine Mutter niemals in dieses Raster fallen und sie tat es eine Zeitlang doch, bis sie einen neuen Job bekam. Und dann wurden die anfänglichen Probleme erst laut.

Es ist nicht das erste Mal, dass man nach einem Streit getrennte Wege geht, sich beruhigt, jeder auf seine eigene Art und Weise. Es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man bei dem gemeinsamen Abendessen die Tränen in den Augen sehen kann, dass man den Tisch ohne gefüllten Magen verlässt, weil einem der Hunger vergangen ist. Und gewiss werden die Wände hier noch einige laute Worte mitbekommen, bevor eine Ruhe eintreten wird - bevor man gelernt hat miteinander zu reden und nicht einander vorbei. Und dann wird auch die Haustür nicht mehr allzu oft zugeschlagen werden. Doch wann wird dieser Wendepunkt in unserem Leben eintreffen? Diese Frage muss ich mir gerade selbst stellen und ich finde keine Antwort, denn auch wenn ich mit unter diesem Dach lebe, so sind es doch nur die beiden, die lernen müssen einander die Herzen zu öffnen und auch jemanden hineinsehen zu lassen. Er sitzt immer noch auf der Couch und hat bisher kein Wort von sich gegeben. Er hat tief eingeatmet und mir die Hoffnung gegeben, wirklich etwas anzusprechen, aber ich werde erneut enttäuscht. Sein Blick liegt auf dem Fernseher und erst als ich ihn leiser stelle, scheint er darauf zu kommen, dass mir sein Schweigen auf diese Art und Weise unangenehm ist. Er sagt, er sei ein riesen Idiot und er habe mal wieder Mist gebaut, was ich in dem Sinne, ohne es wirklich zu wissen, nur bestätigen kann. Aber er ist nicht hier hoch gekommen, um bestätigt zu werden. Wie der Alkohol vorhin schon seine Zunge gelockert hat, so scheint es hier oben damit weiterzugehen. Ich habe ihn bisher noch nie so erlebt, dass er fast liebevoll spricht. Von einem sonst eher reservierten Anti-Romantiker erwarte ich eigentlich auch nicht viel, aber es hat mich überrascht. Er ist in seiner Erzählung zeitweise den Tränen nah. Er liebt sie, er weiß selbst auch nicht, warum er nicht lernt sich zu zügeln. Während meine Mutter damit beschäftigt ist, wieder nach Hause zu kommen und die Immobilienanzeigen zu studieren, habe ich hier oben die Zeit, ihn über einige Dinge aufzuklären, die sie niemals aussprechen wird. Er ertränkt seinen Kummer, seine aufgestaute Unstimmigkeit ihr gegenüber im Alkohol und lässt es anschließend in einem Wisch heraus. Und sie baut eine Mauer auf und lässt gar niemanden an sich heran. Die Lösung liegt schon länger auf der Hand und ist ebenso simpel wie kompliziert: die beiden müssen nur lernen miteinander zu reden und zwar sofort. Und nicht nur heute sondern auch in der Zukunft muss jedes Problem, das auftritt, besprochen werden. Nicht nur die Zukunft liegt damit in einem sicheren Hafen. Die nicht gelöste Vergangenheit wird sich damit auch, Knoten für Knoten, stetig mehr entwirren. Ich sage ihm, dass es für die Zukunft keinen Platz gibt, wenn die Vergangenheit herrscht. Ich sage ihm auch, dass diese Art Auseinandersetzung sich niemals einstellen wird, wenn die beiden nicht lernen auf einander zuzugehen wie zwei erwachsene Menschen und nicht wie zwei Kinder, die nie gelernt haben mit Konflikten umzugehen. Ein ewiges Weglaufen wird nicht helfen. Früher oder später muss man sich stellen, aber wenn man es sollte und nicht tut, dann wird auch der nächste Fehler dafür sorgen, dass man wieder wegrennt. Wenn man sich freiwillig stellt und das nicht erst viele Tage später wenn überhaupt, dann wird es leichter sein auch mal an sich selbst zu arbeiten und zu begreifen,  dass reden gar nicht so schlimm ist und dass es viele Probleme löst. Wer Hilfe braucht und bereit ist auch welche anzunehmen, wird kaum einen Menschen finden, der ihn liebt, aber ihm nicht helfen will. Zwei Stunden reden wir miteinander bevor ich ihn bitte dies auch mit meiner Mutter zu tun, ihr zu sagen, was er mir gesagt hat. Es wird seine Worte, seine Taten so weiß ich, nicht entschuldigen, aber es wird ein erster Schritt sein. Er bittet mich, mit hinunter zu gehen, wie ich es angeboten habe, und dann sitzen wir da und versuchen alle drei den Kern noch mal zu erhaschen. Ich weiß nicht, wie oft ich mich wiederholt habe an diesem Abend, aber ich bin der Hoffnung, dass es sich  beiden dann besser einprägen wird. Doch diese Hoffnung wird abermals zerschlagen, als er am nächsten Morgen zwar noch weiß, dass wir miteinander geredet haben, er sich wohl aber nicht daran erinnern will, was wir besprochen haben. Geduld wird abermals das Ziel sein, damit das Blatt sich wendet. Und bis dahin wird der Spruch weiterhin nur etwas Dahergesagtes bleiben, wie es heißt: „Es gibt nur zwei schwierige Sätze im Leben die man nicht so einfach aussprechen kann. Ich liebe dich und Es tut mir leid.“

Followers

Lest!

  • Klopfer ist genervt vom Fernsehprogramm und kommentiert die Pläne für Sat.2 https://www.klopfers-web.de/blog_1779 [image: Das Fernsehen von morgen ist sc...
  • 1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr? 7,5 Es war nicht perfekt, aber im Großen und Ganzen eigentlich ganz schön. Ich hatte bis Augu...
  • Was war das für ein Traum heute früh? Vermutlich, weil ich letzte Tage an Opas Geburtstag gedacht und darüber getrötet hatte (sichtbar für meine Followys*)...
  • Anfang Januar hatten wir bereits unser erstes Treffen mit der evangelischen Pfarrerin. Ich war etwas nervös, aber doch sehr neugierig darauf, was denn da ...
  • Follow my blog with Bloglovin Vor-10-Jahren-ich gemalt von meinem Freund Timo, nicht nur ein episches Geschenk, sondern auch sehr passend für diesen Post! ...
  • PEGIDA heut hat in München einen absolut epischen Reinfall kassiert. Zuerst sagt Else von COMPACT ab… hat wohl schon vorausgesehen was ihn auf der LBM erwa...
  • Jan und ich haben eine neue Wohnung gefunden. Innerhalb eines Monats wurde von uns also vollkommen überstürzt organisiert damit wir den Wohnungstausch in...

Gezwitschertes