Ihre Schritte hallten an den hohen Häusern wieder. Die Straße lag verlassen da. Die Nacht war kalt, ein eisiger Wind fegte durch die Stadt. Gerade wickelte sie ihren Mantel enger um ihren schlanken fröstelnden Leib da legte sich eine Hand um ihren Mund, hinderten sie an einem überraschten Schrei. Grob wurde sie in eine Gasse gezogen. Sie sah wie sie das Licht der Straßenlaternen verließen und mehr und mehr in Dunkelheit versanken. Sie klammerte ihre Hände um den Arm des Angreifers der über ihrer Brust lag, versuchte in seine Hand zu beißen, doch sie schmeckte nicht mehr als ihr eigenes Blut weil sie sich in die Lippe gebissen hatte. All ihre zappelnden Bewegungen in der Hoffnung sich losreißen zu können, waren umsonst. Er war zu stark. Stärker als sie. Die schwere rostige Stahltür wurde aufgerissen und sie hineingeschleppt. Gänzliche Dunkelheit umfing sie. Völlig orientierungslos hielt sie inne, hörte ihren eigenen und den schweren Atem ihres Entführers. Kaum wich die Hand vor ihrem Mund konnte sie gerade nach Luft schnappen als sich ein hartnäckiger Klebestreifen über ihre Lippen legte. Ihr Herz klopfte hart gegen ihre Brust, sie schwitzte vor Aufregung. Ihre Arme wurden nach vorne gezogen, ein Seil wurde um ihre Handgelenke geschlungen und ordentlich verstrickt. Kaum noch eine Bewegung möglich. Ein Ruck daran signalisierte ihr dass es voran ging obwohl nichts zu sehen war. Wie er sich in dieser Dunkelheit zurechtfand war ihr ein Rätsel. Doch vor ihnen wurde ein Streichholz entzündet. Sie konnte vor Aufregung den Schwefel wahrnehmen und auch das knistern als die rote Stumpenkerze entzündet wurde. Jetzt konnte sie seine Umrisse erkennen und fühlte sich schon etwas besser. Aber es schlich sich eine neue Aufregung an sie heran und überkam sie eiskalt von hinten, in Form zwei anderer Hände sie jetzt ihre Schultern drückten und sie vornüber dem Tisch gedrückt wurde auf dem die Kerze stand. Jemand lies eine Schere hörbar vor ihrem linken Ohr zuschnappen. Sie nahm einen tiefen Zug Luft durch die Nase. Nicht die Haare, dachte sie kurz panisch, doch die wurden in Ruhe gelassen. Das kalte Metall schob sich durch ihren Ärmel. Sie wollte ihre Hände mit einem ruck wegziehen, da hörte sie schon das Sirren der Gerte die sie auf ihrer nackten Wade traf. Sie wimmerte unter dem Schmerz, spürte eine Träne im Augenwinkel aufsteigen und hielt dann ihre Arme ruhig. Die Schere schnitt ihren Mantel durch und wurde den ganzen Arm hinausgeführt, schnappte auf und zu und ruinierte schneller als ihr lieb war eines ihrer Lieblingsstücke. Während sie versuchte sich nicht zu bewegen schob der andere ihre Beine auseinander. Eine Fessel nach der Anderen wurde an das jeweilige Tischbein festgebunden. Der Ärmel des Mantels fiel und der zweite war dran. Als der erste Stoff zu Boden fiel schnitt man ihn die Handgelenke frei, fesselte sie aber direkt wieder, nicht aneinander wie zuvor sondern wie ihre Füße separat an einem langen Seil mit den Tischbeinen. Vorn über gebeugt und unfähig sich groß zu bewegen legte sie ihren Kopf bequemer auf die Tischplatte. Eine zweite Schere blitzte vor ihren Augen und sie sah sein gemeines grinsen, als er sie zuschnappen lies. Er trat hinter sie und sie zuckte zusammen als sie das kalte Metall an ihrem Rücken spürte wo der kümmerliche Rest des Mantels sein Leben lassen musste.
30.04.2015
29.01.2015
Kuss der Muse: Der Mörder und seine Heilerin (PWI Fanfic, Unfertig)
05.08.2014
4 gute Gründe wieso ich den Sommer hasse
Die vermaldeite Hitze
Gegen Hitze ist naemlich irgendwann kein kraut mehr gewachsen. Irgendwann ist man nur noch nackt und zerbricht sich den kopf inwieviele teile man sich schneiden sollte um ins Eisfach zu passen. Aisserdem bin ich mit einer Allergie gesegnet die im Sommer hochkonjunktur hat, meine Haende sind voller quaddeln die schmerzhaft spannen. Danach schaelt sich die Haut weg und - ja kein schoener Anblick.
Halbnackte/Nackte Menschen
Ein ertrag aus der Hitze das fast alle mit mehr beziehungsweise weniger stoff auf der haut umherlaufen und geben wir es doch mal zu: Manche Leute will man nichtmal angezogen sehen. Zumal fuesse echt haesslich sind und alle welt sowas bescheuertes wie offene schuhe traegt. Irks neh?
Schweiß
Ich kann schwitzen nicht ausstehen. Staendig schwitzt man im Sommer und jede Bewegung an frischer Luft deckt einen ueppig mit Staub und Bakterien ein, man fuehlt sich direkt wieder dreckig. Also ich zumindest. Ueberall flecke und kein makeup der Welt haelt wie es halten soll. Die Haut glaenzt - es riecht! Und Leute die sich im Sommer nicht mind. Einmal taeglich unter die Dusche stellen sind rasch ein Fall fuers Gesundheitsamt. Vorzugsweise findet man solche Stinker auch noch ueberall.
Ungeziefer
Spinnen moegen warme Ecken, Fliegen jeden scheiß, Muecken unser Blut und Obstfliegen und Nachwuchs unseren Abfall. Ekelviecher allesamt!
23.07.2014
Gefallen
Ist es wirklich die Luft die einen glaubt noch Atmen zu können? Mag es nicht der Atem Gottes sein, der sie erhält in ihrem Fall. Wo sind die Erinnerungen? Wo sind die ganzen Bilder die man erwartet. Stattdessen um einen herum nur die Dunkelheit und die Gewissheit zu fallen. So wie man gefallen war zu jenem Augenblick da die Dunkelheit einen noch nicht ummantelt hatte. Ein Mantel aus Finsternis, der fröstelte, der wärmte.
Jedes Blinzeln war das erste Mal und es war bei jedem anders. einige wurden sich dessen bewusst. Andere fürchteten sich. Sie fürchteten sich so sehr, das sie versuchten sich festzukrallen. Sie wollten zurück. Jene unruhigen Seelen, die zurückkehrten, waren weder Leben noch Tod. Sie schienen so unwirklich wie diese unbewusste Realität die man verspürte ohne den geringsten Wunsch zu haben dies zu spüren. Dunkelheit, sie umarmt und beherrscht. Vielleicht frohlockte der rauschende Wind zu einer Melodie von Unendlichkeit, oder war es tatsächlich eine Melodie? Spielten dort geige und Klavier? Gab es eine Flöte zu hören? Zuerst sanft und kaum wahrnehmbar. Wie jene Stummfilme von vor mehr als einem halben Jahrhundert. Menschen die in Schwarz weiß durch die Bilder huschten und jene Gefühlsregungen mit schwerer oder fröhlicher, schneller oder langsamer Musik unterbrochen wurden?
Gefallen
Ist es wirklich die Luft die einen glaubt noch Atmen zu können? Mag es nicht der Atem Gottes sein, der sie erhält in ihrem Fall. Wo sind die Erinnerungen? Wo sind die ganzen Bilder die man erwartet. Stattdessen um einen herum nur die Dunkelheit und die Gewissheit zu fallen. So wie man gefallen war zu jenem Augenblick da die Dunkelheit einen noch nicht ummantelt hatte. Ein Mantel aus Finsternis, der fröstelte, der wärmte.
Jedes Blinzeln war das erste Mal und es war bei jedem anders. einige wurden sich dessen bewusst. Andere fürchteten sich. Sie fürchteten sich so sehr, das sie versuchten sich festzukrallen. Sie wollten zurück. Jene unruhigen Seelen, die zurückkehrten, waren weder Leben noch Tod. Sie schienen so unwirklich wie diese unbewusste Realität die man verspürte ohne den geringsten Wunsch zu haben dies zu spüren. Dunkelheit, sie umarmt und beherrscht. Vielleicht frohlockte der rauschende Wind zu einer Melodie von Unendlichkeit, oder war es tatsächlich eine Melodie? Spielten dort geige und Klavier? Gab es eine Flöte zu hören? Zuerst sanft und kaum wahrnehmbar. Wie jene Stummfilme von vor mehr als einem halben Jahrhundert. Menschen die in Schwarz weiß durch die Bilder huschten und jene Gefühlsregungen mit schwerer oder fröhlicher, schneller oder langsamer Musik unterbrochen wurden?
22.07.2014
Gewohnheit schafft Geborgenheit
Es war das prasseln des Regens an der Fensterscheibe das ihn dazu animierte einzuschlafen. Eine Zeit lang hatte er nur am Fenster gesessen und nach draußen gesehen. Unter seinen verschränkten Armen auf dem er seinen Kopf gebettet hatte, lagen nochmals auf einem Kissen um die härte der Fensterbank zu mildern. Sein Atem war ruhig, sein Blick zuletzt war trüb. Unten, im Erdgeschoss hatten sich die wütenden Stimmen beruhigt. Mutter und Vater die sich dort gestritten haben. Der Wortwechsel war hier oben unverständlich, aber das Stimmengewirr lag in der Luft, bleiern schwer, wie die Kraft die die Regentropfen dazu brachten auf der weichen Erde der Landschaft dort draußen auf zu klatschen, zu brechen. Ein Ungestümer Wille gehalten von der Illusion sich in Sicherheit zu wiegen. So kam es auch, das er die Stimmen ebenso fürchtete wie liebte. Beständigkeit brachte Geborgenheit. Ein Streit der Eltern schaffte etwas von Geborgenheit. Weil es immer schon so gewesen war. Gewohnheit schafft Geborgenheit
Es war das prasseln des Regens an der Fensterscheibe das ihn dazu animierte einzuschlafen. Eine Zeit lang hatte er nur am Fenster
gesessen und nach draußen gesehen. Unter seinen verschränkten Armen auf
dem er seinen Kopf gebettet hatte, lagen nochmals auf einem Kissen um
die härte der Fensterbank zu mildern. Sein Atem war ruhig, sein Blick
zuletzt war trüb. Unten, im Erdgeschoss hatten sich die wütenden Stimmen
beruhigt. Mutter und Vater die sich dort gestritten haben. Der
Wortwechsel war hier oben unverständlich, aber das Stimmengewirr lag in
der Luft, bleiern schwer, wie die Kraft die die Regentropfen dazu
brachten auf der weichen Erde der Landschaft dort draußen auf zu
klatschen, zu brechen. Ein Ungestümer Wille gehalten von der Illusion
sich in Sicherheit zu wiegen. So kam es auch, das er die Stimmen
ebenso fürchtete wie liebte. Beständigkeit brachte Geborgenheit. Ein
Streit der Eltern schaffte etwas von Geborgenheit. Weil es immer schon
so gewesen war. 22.12.2013
Dinge die mich richtig nerven (1)
Hallo ihr lieben (oder auch nicht),
Ich bin ein wirklich guter Mensch. Mein Herz sitzt an richtiger Stelle. Ich bin viel zu oft treuherzig und nachgiebig, kann schlecht nein sagen und bin in echt zuvielen faellen einfach viel zu nett. Kurz vor Weihnachten ist das besonders schlimm. Nicht das ich der naechstenliebe so angetan bin. Bei manchen Menschen stimmt das schon, in vielen zeiten immer erst die dann ich oder gar nicht. Ich bin auch Egoistisch, keine Sorge, aber ich gehoer zu den Menschen die sich hinten anstellen. Koennte mit den britischen wurzeln zu tun habenp das ich mich gern einreihe. Wenn es also jemandem schlecht geht und mir genauso blende ich mich haeufig aus und rede dem anderen gut zu. Verteidige schuldige und versuch es abzumildern was geschehen ist. Wird schon wieder, gerade nur eine stressige Zeit, morgen ist alles wieder gut...blabla. Ihr kennt das sicher. Phrasen die eventuell gar nicht stimmen aber erstmal beruhigen. Das ich damit diverse Arschloecher in Schutz nehme wird mir allzuoft bewusst wenn es wirklich nur Phrasen bleiben. Und nun steh ich da, hab also bloedsinn gephrast und pack mir an den kopf. In dem moment erwacht in mir jedesmal der bruellende Loewe der Gerechtigkeit. Ich bin fair und erwarte das leider von meinen Mitmenschen. Leider! Wenn ich etwas wirklich hasse ist es ungerechtigkeit. Da geht bei mir der Hut hoch. Solche aussagen wie 'Das Leben ist nicht fair' mag durchaus stimmen. Das Leben an sich hat auch jedes recht dazu. Fressen oder gefressen werden. Aber ich rede ja nicht vom Leben, sondern von Sozialitaet. Also genau ab da wo Menschen sich zusammenschlossen. Genau dieser Zeitpunkt als Urmensch Brumm zu Urmensch Grumpf sagte: "Umrphf fru fru jai jai mekkel teggel ugg ugg" ("Lass mal unsere Hoehlen zusammenlegen, dann koennen wir besser aufeinander aufpassen. Und die Frauen tauschen und so.")
Gegenseitige Ruecksichtsnahme hat btw Hasenherrscher Klopfer schon mal thematisiert. Kann ich gerade schlecht verlinken aber ihr googelt das schon.
Ungerechtigkeit ist also mein rotes Tuch.
Dieser Post ist uebrigens der Spinne auf dem Personalklo zu verdanken die ruecksichtslos meinen Weg kreuzte und mich zu tode aengstigte. Das Thema aber an sich sind Erkenntnisse der letzten Tage.
30.01.2013
Selbst gefragt und selbst geantwortet
06.11.2012
[Kuss der Muse] Kurzes Vergnügen [18er]
„Bitte“, bettelte sie heiser, „Hör nicht auf.“
„Ich muss“, antwortete er rau. Er zog sich das Hemd über, knöpfte es zu. Weiterhin achtete er darauf das sein Gesicht im Schatten lag.
Sie bäumte sich auf und krallte sich in seinem Hemd fest.
„Wieso?“
„Ich muss heim.“
Sie ließ von ihm ab, legte sich zurück auf den nassen, erdigen Boden. Zurück ins Herbstlaub.
„Ich hatte geglaubt, als sich deine Hand um meinen Mund gelegt hatte, das du mich vergewaltigen wolltest“, wisperte sie leise.
„Falsch gedacht.“
Sie kicherte. „Machst du das öfter?“
„Ein- zweimal im Monat.“
„Verräts du mir warum?
Er schien kurz zu überlegen, seufzte dann.
„Lieber nicht.“
Als sein Hemd geschlossen war, stand er auf, klopfte sich den Schmutz von der Hose und ging.
Liebe Grüße
Aya
13.10.2012
Kuss der Muse: Flaschenpost [Kurzgeschichte]
„Oh was?“ Ich sah auf.
Texte dürfen nur in wortgetreuen Auszügen und mit Angabe der Quelle, also kussdermuse.blogspot.com und zottelkind.blogspot.com übernommen werden.Vielen Dank fürs Lesen. Freue mich über Kommentare mit konstruktiver Kritik, Anmerkungen und vielleicht sogar Lob. Die Rechte am Text liegen selbstverständlich bei mir.
22.02.2012
Ein bisschen unsinn...
schoko- schoko – schokolade
will Schokolade, Schokolade,
schoko- schoko- schokolade.
Die Pülverchen und Mittelchen,
die Pillen und die drinks,
alle sind nur dafür da
damit die laune hinkt.
Stattdessen kommt der frust
Und auch die zickigkeit,
und wo ne zicke ist
ist das salatblatt auch nicht weit.
Ich will Erdbeerkuchen, Sahne und Kaffee,
ich will After Eight und Zucker in dem Tee,
ich will Bonbons und die große Kleberei,
Marshmallows, Eiskonfekt und süße Schweinerei.
Ich will Chips und Torten und auch mal Marzipan,
ich will Lebkuchenhäuser und zum Schokobrunnen fahr’n.
Ich will Honigmilch und Nüsse,
Lakritze und sogar Schokoküsse,
will Vanilleeis um jeden Preis,
und was ich krieg, ist dieser scheiß:
Yokebe, Slim Fast und Aktive Fit,
gesund abnehmen, schritt für schritt,
gesund mag sein, das räum ich ein,
aber eigentlich wollt ich nur glücklich sein!
Wiege dies und wiege das,
zähl Kalorien das macht doch spaß,
zähle punkte fühl dich gut,
aber all das raubt mir nur den Mut!
Der Arzt er sagt er will mich schlank,
ich sagte ihm, das macht mich krank,
er sagt okay und grinst zu mir,
ich mein ist klar – ich finanzier.
Und alles was ich abnehm ist ganz schlicht:
Weder beine, arme, po und gesicht,
das einzige was schnell vergeht,
ist laune und lebensqualität.
Es gibt so Sachen man,
die ich gar nicht haben kann,
das fängt schon beschissen,
mit der Monatsblutung an.
Einmal im Jahr,
das ging noch klar,
aber einmal im Monat,
und der Alptraum wird wahr.
Ich hab nicht drum gebeten,
da bin ich ziemlich sicher,
wen muss ich also treten?
Kicher..kicher..kicher
Liebe Grüße
11.11.2011
Bis der Wind sich dreht
Rumms – da fällt die Tür ins Schloss. Auch wenn es hier oben noch zu hören ist, so erschrecke ich mich seit langem nicht mehr, wenn das eingefasste Glas unter dem Knall nachvibriert. Nach großen und vor allem lauten Worten, entfernen sich die Schritte und die Haustür wird zugeschmissen. Wie heute ist es meistens das Wochenende, das diese Art der Kommunikation mit sich bringt. Meine Mutter ist gegangen. Vielleicht hat sie die Hunde mitgenommen auf dem Weg zum örtlichen Kiosk, um frische Luft zu schnappen, einen Kaffee zu trinken und darüber zu klagen, dass der Mann, der nun alleine im unteren Teil des Hauses wüten kann, sie nicht versteht. Sie wird ihren Kaffee trinken, vielleicht auch zwei und schließlich wieder nach Hause kommen. Immer noch wütend, aber ruhiger als zuvor. Dann werden die beiden sich aus dem Weg gehen, zumindest bis sie sich zum Abend wieder das Schlafzimmer teilen werden. Er wird ihr nicht sagen, dass es ihm Leid tut, er wird nur beteuern, dass er ein Blödmann ist. Aber das wird ihr nicht reichen und frustriert über all das werden sie beide schlafen und am nächsten Morgen aufwachen und frühstücken, als sei nichts gewesen. Jedoch mit diesem kleinen Rest an Groll, den beide füreinander hegen. Zumindest bisher ist das immer in diesem Schema abgelaufen. Nur heute nicht. Heute soll ich nicht einfach allein hier oben bleiben und mein Mitgefühl an meine Mutter weiterreichen, für mich in Gedanken. Nein, der Mann, mit dem wir hier zusammenleben, kommt die elf Stufen zu meinem Zimmer hoch und setzt sich zu mir auf die Couch. Ich habe diesen beißenden Geruch direkt in der Nase, und damit weiß ich auch, warum sie gestritten haben. Seine Neigung zum Alkohol und die Unfähigkeit, sich darin Grenzen zu setzen und auch daran zu halten. Ich bin mir sicher, dass, egal was ich sagen oder tun werde, es von einem Ohr zum anderen wieder hinausgehen wird. Und auch morgen früh wären meine Bemühungen ihm zuzureden vollkommen nichtig und vergessen. Dennoch greife ich just zu meiner Tasse Tee und sehe ihn an. Ich sage kein Wort, lasse ihn zur Ruhe kommen, denn eigentlich ist er noch nie nach einem Streit unter den beiden hier hoch zu mir gekommen. Ich bin gespannt, ob er hier her kommt um auch wortlos wieder zu gehen oder ob er reden will. Der Alkohol löst ihm die Zunge und Dinge die er denkt, aber nie sagen würde, werden gesagt. Dinge die andere verletzen und längst kein Teil mehr der Höflichkeit sind. Der Moderator im Fernseher kündigt ein neues Highlight an, aber meinen Blick kann ich nicht von diesem Menschen abwenden, der bei mir versucht Trost zu finden, statt in sich selbst hineinzuhorchen, wie es überhaupt jedes Mal dazu kommen kann.
Meine Mutter und ich waren vor einigen Monaten neu in diese Gegend gezogen. Über einen gemeinsamen Freund, lernte sie schließlich diesen altbackenen Dachdecker aus dem Nachbardorf kennen. Ohne es damals wirklich zu ahnen, entwickelte sich nach und nach eine gemeinsame Sympathie, die es erlaubte, dass die beiden sich näher kamen. Zuerst war es nur ein Kaffee, dann die gemeinsamen Abendessen fast jeden Tag in der Woche und das Wochenende verbrachten sie stets gemeinsam. Trotz der Liebe, die beide füreinander empfanden, offenbarten sich schnell einige Probleme, die noch zu tief in beiden saßen und jetzt erst zum Vorschein kamen. Vor zwei Jahren etwa verlor er seine Frau durch einen Autounfall bei dem sie ihren Sohn, seinen Stiefsohn, zurückließ und ihn natürlich auch. Seinen Kummer, obwohl die Ehe nach eigenen Aussagen mehr schlechte als gute Seiten gehabt hatte, ertränkte er im Alkohol. Sein verdientes Geld wurde bei jungen Huren im Bordell gelassen. Um Ablenkung zu suchen, schrieb er sich im Kegelclub des Ortes ein und spielte einmal im Monat dort. Er traf Freunde, die von seiner Situation wussten, jedoch auch nie den Versuch unternahmen, ihm aus diesem tiefen Loch wieder herauszuhelfen. Da sein Stiefsohn studierte, war dieser nur über das Wochenende im Haus. Beide kamen nie dazu, das Geschehende irgendwie zu verarbeiten. Beide lebten nur nebeneinander her, weil sie keine Wahl hatten. Er sah in dem Jungen etwas, das ihm von seiner verstorbenen Frau geblieben war, und der Stiefsohn sah in seinem Stiefvater nur noch das, was der Alkohol aus ihm gemacht hatte. Diese Geschichte, teils von ihm selbst erzählt, erfuhr man jedoch in einer anderen, subjektiveren Sichtweise von seinen Bekannten und dann lehrte er seine Geschichte persönlich, indem er sie nicht los ließ und immer noch lebte. Natürlich sahen wir, dass der Tod eines geliebten Menschen ein schwerer Schicksalsschlag war, dennoch konnten wir nicht das Verständnis mehr dafür aufbringen, weil er nie versucht hatte, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Nun hatte er in meiner Mutter eine neue Liebe, eine bessere Zukunft gefunden, dennoch änderte sich nicht viel. Wir gaben unser kleines Häuschen am See auf um zu ihm und seinem Stiefsohn, in deren Haus zu ziehen. Er baute den Trockenraum über der Waschküche aus, damit ich dort mein Zimmer gestalten konnte. Er versuchte eine Menge, um uns ein besseres Leben als zuvor möglich zu machen, aber das eigentliche Problem wurde mit Farbe und neuem Teppich nicht gelöst. Vieles wurde zum Streitthema. Der Stiefsohn, der glaubte meine Mutter solle seine ersetzen, und ihr neuer Freund, der in meiner Mutter ebenfalls seine verstorbene Frau sah. Es war wieder eine Frau im Haus, die kochte, die das Haus und das Grundstück sauber hielt. Doch wenn es eine typische Hausfrau gäbe, so würde meine Mutter niemals in dieses Raster fallen und sie tat es eine Zeitlang doch, bis sie einen neuen Job bekam. Und dann wurden die anfänglichen Probleme erst laut.
Es ist nicht das erste Mal, dass man nach einem Streit getrennte Wege geht, sich beruhigt, jeder auf seine eigene Art und Weise. Es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man bei dem gemeinsamen Abendessen die Tränen in den Augen sehen kann, dass man den Tisch ohne gefüllten Magen verlässt, weil einem der Hunger vergangen ist. Und gewiss werden die Wände hier noch einige laute Worte mitbekommen, bevor eine Ruhe eintreten wird - bevor man gelernt hat miteinander zu reden und nicht einander vorbei. Und dann wird auch die Haustür nicht mehr allzu oft zugeschlagen werden. Doch wann wird dieser Wendepunkt in unserem Leben eintreffen? Diese Frage muss ich mir gerade selbst stellen und ich finde keine Antwort, denn auch wenn ich mit unter diesem Dach lebe, so sind es doch nur die beiden, die lernen müssen einander die Herzen zu öffnen und auch jemanden hineinsehen zu lassen. Er sitzt immer noch auf der Couch und hat bisher kein Wort von sich gegeben. Er hat tief eingeatmet und mir die Hoffnung gegeben, wirklich etwas anzusprechen, aber ich werde erneut enttäuscht. Sein Blick liegt auf dem Fernseher und erst als ich ihn leiser stelle, scheint er darauf zu kommen, dass mir sein Schweigen auf diese Art und Weise unangenehm ist. Er sagt, er sei ein riesen Idiot und er habe mal wieder Mist gebaut, was ich in dem Sinne, ohne es wirklich zu wissen, nur bestätigen kann. Aber er ist nicht hier hoch gekommen, um bestätigt zu werden. Wie der Alkohol vorhin schon seine Zunge gelockert hat, so scheint es hier oben damit weiterzugehen. Ich habe ihn bisher noch nie so erlebt, dass er fast liebevoll spricht. Von einem sonst eher reservierten Anti-Romantiker erwarte ich eigentlich auch nicht viel, aber es hat mich überrascht. Er ist in seiner Erzählung zeitweise den Tränen nah. Er liebt sie, er weiß selbst auch nicht, warum er nicht lernt sich zu zügeln. Während meine Mutter damit beschäftigt ist, wieder nach Hause zu kommen und die Immobilienanzeigen zu studieren, habe ich hier oben die Zeit, ihn über einige Dinge aufzuklären, die sie niemals aussprechen wird. Er ertränkt seinen Kummer, seine aufgestaute Unstimmigkeit ihr gegenüber im Alkohol und lässt es anschließend in einem Wisch heraus. Und sie baut eine Mauer auf und lässt gar niemanden an sich heran. Die Lösung liegt schon länger auf der Hand und ist ebenso simpel wie kompliziert: die beiden müssen nur lernen miteinander zu reden und zwar sofort. Und nicht nur heute sondern auch in der Zukunft muss jedes Problem, das auftritt, besprochen werden. Nicht nur die Zukunft liegt damit in einem sicheren Hafen. Die nicht gelöste Vergangenheit wird sich damit auch, Knoten für Knoten, stetig mehr entwirren. Ich sage ihm, dass es für die Zukunft keinen Platz gibt, wenn die Vergangenheit herrscht. Ich sage ihm auch, dass diese Art Auseinandersetzung sich niemals einstellen wird, wenn die beiden nicht lernen auf einander zuzugehen wie zwei erwachsene Menschen und nicht wie zwei Kinder, die nie gelernt haben mit Konflikten umzugehen. Ein ewiges Weglaufen wird nicht helfen. Früher oder später muss man sich stellen, aber wenn man es sollte und nicht tut, dann wird auch der nächste Fehler dafür sorgen, dass man wieder wegrennt. Wenn man sich freiwillig stellt und das nicht erst viele Tage später wenn überhaupt, dann wird es leichter sein auch mal an sich selbst zu arbeiten und zu begreifen, dass reden gar nicht so schlimm ist und dass es viele Probleme löst. Wer Hilfe braucht und bereit ist auch welche anzunehmen, wird kaum einen Menschen finden, der ihn liebt, aber ihm nicht helfen will. Zwei Stunden reden wir miteinander bevor ich ihn bitte dies auch mit meiner Mutter zu tun, ihr zu sagen, was er mir gesagt hat. Es wird seine Worte, seine Taten so weiß ich, nicht entschuldigen, aber es wird ein erster Schritt sein. Er bittet mich, mit hinunter zu gehen, wie ich es angeboten habe, und dann sitzen wir da und versuchen alle drei den Kern noch mal zu erhaschen. Ich weiß nicht, wie oft ich mich wiederholt habe an diesem Abend, aber ich bin der Hoffnung, dass es sich beiden dann besser einprägen wird. Doch diese Hoffnung wird abermals zerschlagen, als er am nächsten Morgen zwar noch weiß, dass wir miteinander geredet haben, er sich wohl aber nicht daran erinnern will, was wir besprochen haben. Geduld wird abermals das Ziel sein, damit das Blatt sich wendet. Und bis dahin wird der Spruch weiterhin nur etwas Dahergesagtes bleiben, wie es heißt: „Es gibt nur zwei schwierige Sätze im Leben die man nicht so einfach aussprechen kann. Ich liebe dich und Es tut mir leid.“
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